Chronik | Niederösterreich
20.11.2017

Übergriff am Badesee: Polizei fahndet nach Sittenwächtern

Oben-ohne-Badende mit Vergewaltigung bedroht. Videomitschnitt 800.000 Mal gesehen.

Der beängstigende Videomitschnitt wurde mehr als 815.000 Mal auf Facebook angesehen: Eine Gruppe selbst ernannter islamischer Sittenwächter hat im vergangenen Juni an einem idyllischen Badesee in Kaltenleutgeben im Bezirk Mödling (NÖ) eine oben-ohne badende Frau umringt und mit Vergewaltigung bedroht, falls sie nicht sofort ein T-Shirt anziehen würde. Den Begleiter der Frau versuchten die Männer von einem Felsen zu stoßen.

Nachdem Ermittler von einer religiös motivierten Tat von womöglich radikalen Islamisten ausgehen, hat das nö. Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT NÖ) den Fall übernommen. Auf Weisung der zuständigen Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt werteten Datenforensiker der Polizei die Videomitschnitte aus.

Fahndungsbilder

Da man die Identität der Verdächtigen bisher nicht klären konnte, wurden deren Fotos am Montag veröffentlicht. "Es steht derzeit der Verdacht im Raum, dass die Männer als Sittenwächter agieren", erklärt der Leiter des nö. Verfassungsschutzes, Roland Scherscher.

Der Wiener Berufsfotograf Thomas Busek erinnert sich nur ungern an den Fronleichnamstag im Juni zurück. Er genoss zusammen mit einer Freundin den heißen Tag am See, als sie plötzlich von vier bärtigen Männern umzingelt und schon bald in gebrochenem Deutsch beschimpft wurden. Weil es den Männern nicht gefiel, dass die Frau oben ohne am Ufer lag, nötigten sie sie, ein Oberteil anzuziehen. Aus Angst tat das Opfer, was die Clique verlangte.

Es entwickelte sich ein heftiger Wortwechsel, in dem die Männer mit Vergewaltigung drohten und das Paar beschimpften. Einer der Täter trat nach Busek um ihn über den Felsen in den See zu befördern. Der Fotograf konnte ausweichen, verbal bot er den Männern Paroli. Ob er es heute genau so machen würde? "Ja. Und außerdem würde ich einen großen Pfefferspray einstecken", sagt Busek.

Ermittelt wird wegen schwerer Nötigung. Die Polizei bittet um Hinweise unter dem Stichwort "Kaltenleutgeben" an das Landesamt für Verfassungsschutz: LPD-N-LVT@polizei.gv.at oder 059133/308333.