Trittbrettfahrer tricksen bei Marillen

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Obwohl die Ernte der Original Wachauer Marille noch gar nicht richtig begonnen hat, verkaufen Händler in der Region seit Wochen tonnenweise Früchte.

Wenn ich in der Wachau Marillen kaufe, gehe ich automatisch davon aus, dass es original Wachauer Marillen sind", sagt Eva Dall aus Linz, die mit Mann und Tochter durch die Wachau radelt. Ein frommer Gedanke. Bis zu zehn Verkaufsstände säumen alleine am Nordufer der Donau die Bundesstraße. "Die bieten weit mehr Marillen an, als in der Wachau derzeit reif sein können. Und das seit drei Wochen", rechnet Franz Reisinger vor. Er ist Obmann der Produzenten der Original Wachauer Marille und ärgert sich, dass heuer anscheinend noch mehr Verkäufer Schindluder mit der Herkunft der Früchte treiben als sonst.

Probe aufs Exempel

Nur wenige „Original Wachauer Marillen“ sind schon saftig-gelb. Die meisten Früchte im Anbaugebiet sind grün und müssen noch einige Tage auf den Bäumen reifen
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Der KURIER machte die Probe aufs Exempel, klapperte einige Verkaufsstände in der Wachau ab. "Die sind aus Langenlois", lautet die Auskunft eines Verkäufers auf Nachfrage. Also eindeutig nicht aus der Wachau. "Wir haben sie nicht als Wachauer gekennzeichnet und geben jedem korrekte Auskunft", betont der Verkäufer. Andere Verkäufer seien da nicht so genau, meint er. So oder ähnlich entwickelt sich das Gespräch an mehreren Ständen.

Manche Verkäufer beteuern auch, dass ihre Früchte aus Gärten direkt in der Wachau stammen. Dass auf Bäumen rundherum hauptsächlich grüne Früchte hängen, lässt niemand gelten. Freimütig erzählen Verkäufer auch, dass die angebotene Sorte "Orange red" heißt. Eine Neuzüchtung, die laut Reisinger eindeutig nicht die Kriterien der EU-geschützten Originalmarille erfüllt. Das tun nur wenige alte, lange heimische Sorten.

"Mir ist klar, dass die nicht aus der Gegend stammen können", sagt eine Pensionistin, die sich am Stand nach dem Preis - meist 3,5 Euro pro Kilo - erkundigt. "Man sieht ja, an den Bäumen ist fast alles noch grün", meint sie stirnrunzelnd.

Konsumenten "bewusst getäuscht"

Nur wenige „Original Wachauer Marillen“ sind schon saftig-gelb. Die meisten Früchte im Anbaugebiet sind grün und müssen noch einige Tage auf den Bäumen reifen
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"Eine riesige Sauerei, Rosstäuscher sind das. Die Ernte der Original Wachauer Marille beginnt jetzt am Wochenende. Die Haupternte wird am Wochenende 16./17. Juli sein. Da werden Konsumenten bewusst getäuscht, um ein Geschäft zu machen", sagt Reisinger, dem es vergangene Woche auf dem Viktualienmarkt in München beinahe die Sprache verschlagen hatte: Palettenweise Marillen um 10,80 Euro (!) pro Kilo, die als Wachauer gekennzeichnet waren, sah er da. "Die hatten sogar ein Transparent von uns, keine Ahnung woher. Ich habe das sofort angezeigt. Die Behörden vor Ort wussten gar nicht, dass unsere Ernte noch nicht begonnen hat."

KURIER-Mitarbeiter entdeckten auch auf einem Markt in Salzburg Marillen, die als Wachauer gekennzeichnet waren. Auch hier passte die Sorte nicht.

Siegel: Garantie für Herkunft und Aroma

Mitglieder Mit dem Gütesiegel "Original Wachauer Marille" garantieren 200 Wachauer Marillenbauern, die in einem Verein organisiert sind, dem Konsumenten die Herkunft und die Geschmacksqualität der Wachauer Marille. Mit dem Namen dürfen aber nur Marillen bezeichnet werden, die aus einer von 21 Wachauer Gemeinden stammen. Die Haupterntezeit beginnt um den 14. Juli und dauert drei Wochen. Infos: www.wachauermarille.at

Erstellt am 05.12.2011