Chronik | Niederösterreich
10.09.2017

Treffpunkt Niederösterreich: Hoppala, wo samma da?

Auf der Wiener Wiesn darf die Jazz Gitti nicht fehlen. Regelmäßig kehrt sie auch in Korneuburg ein.

Das Problem mit dem ein oder anderem abendlichen Gläschen Wein in Wien für jemanden aus Leobendorf? Danach muss man entweder sehr lange zu Fuß gehen oder unnötig viel Geld für ein Taxi ausgeben. Gut, räumt Martha Butbul alias Jazz Gitti gleich ein, das Zu-Fuß-Gehen ist eigentlich keine wirklich Option. Seit einiger Zeit hat sie aber sowieso eine bessere Alternative: Das nahegelegene Café-Restaurant im Korneuburger Rathaus, in dem sie es sich auch soeben bequem gemacht hat.

"Das Lokal gibt’s natürlich schon lange", meint die 71-jährige Künstlerin, die mit 16 Jahren ein Plattenvertrag angeboten bekam und unlängst ihr 16. Album herausgebracht hat. "Aber Reingehen hat man nie können. Nichts hat so richtig gepasst." Bis es vor fünf Jahren zwei junge Gastronomen übernommen haben. Seitdem ist die Jazz Gitti in dem hellen Lokal mit den hohen Fenstern und dem gemusterten Gewölbe Stammgästin.

Burger mit Safti

Immer öfter auch in Begleitung ihrer Enkelkinder, die mit ihrer "Safti" Burger essen gehen möchten. Safti das ist nämlich die Koseform von Safta, dem hebräischen Wort für Oma. Und das könnte sich ruhig mehr durchsetzen, findet die Musikerin, die vergangenes Jahr bei Dancing Stars den fünften Platz belegt hat. "Oma hört sich doch so alt an. Safti, das klingt nach Im-Saft-Stehen, das passt", sagt sie und lacht so laut und herzlich, dass man mitlachen muss.

Währenddessen serviert der Kellner die Erdäpfel-Mozzarella-Laibchen auf Knoblauchrahmsauce. Mit Bio-Erdäpfeln natürlich.

Aus der Region, für die Region. So lautet das Motto der beiden Lokalchefs Josef Böhmer und Martin Zimierski, die sich vor fünf Jahren den Traum vom eigenen Restaurant erfüllten. Mit Gemüse aus der Gegend, mit Eiern vom Markt und Steaks vom heimischen Alpenrind. Dazu gibt es in den Sommermonaten donnerstags Live-Sessions und in der Rathausbar Musik von Evergreens bis Hard Rock. Das Konzept komme so gut an, dass sogar Wiener extra deswegen nach Korneuburg fahren würden, erzählen die Chefs. Mehr als die Hälfte der Gäste seien mittlerweile aus der Bundeshauptstadt.

Auf zur Wiesn

In der Bundeshauptstadt ist Jazz Gitti übrigens bald wieder auf der Bühne zu sehen – und zwar am 27. September. Bei ihrem mittlerweile traditionellen Auftritt auf der Wiener Wiesn.

"Bei meinem ersten Auftritt dort hat mich ja tatsächlich eine Reporterin gefragt, was das denn hier soll, das sei ja nichts gegen München", erzählt Jazz Gitti, und nimmt einen Schluck vom mittlerweile kalten Kaffee. "Also da bin ich in den Saft gegangen. Was die können, das können wir schon lang!" Wien sei vielleicht kleiner, aber das wär doch in Wahrheit eh feiner.

Die Begeisterung für die Münchner Wiesn kann sie sowieso nicht nachvollziehen: "Ich bin in den 90er Jahren dort aufgetreten und erinner’ mich nur an grölende Menschen und dass es nach Bier und Urin gestunken hat. Es war a Wahnsinn."

Keinesfalls Wahnsinn, aber vielleicht ein klein wenig verrückt, ist der Umstand, dass sie noch Anfang August zehn Tage im Krankenhaus gelegen ist – und in der Zwischenzeit schon wieder auf der Bühne gestanden hat. Ruhestand? Aber wo! Jazz Gitti arbeitet mit Manager Roman Bogner bereits an einer neuen Single. Und in zwei Jahren, zum 35-jährigen Jubiläum, soll ein weiteres Album rauskommen. "Ach", sie zuckt mit den Schultern und fährt lachend fort: "Es macht mir halt einfach so viel Spaß. Wenn ich 14 Tage keinen Auftritt hab, wird mir doch fad." Für die Jazz Gitti ist eben auch mit 71 Jahren noch lange nicht Schluss.