Chronik | Niederösterreich
22.08.2017

Tödliche Sturmnacht: Festzelt in NÖ evakuiert

Kurz nach dem Zelteinsturz in St. Johann / Walde wurde ein Event bei Amstetten abgebrochen.

Vier Tage nach dem Zelteinsturz mit zwei Toten und 140 Verletzten in der Gemeinde St. Johann am Walde im Bezirk Braunau, OÖ, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Gemeingefährdung gegen unbekannt.

Im Zentrum steht die Frage, ob die Sturmböen von 120 km/h, die das Zelt zum Einsturz brachten, vorhersehbar waren und wann es welche Wetterwarnung für das fragliche Gebiet gegeben hat. Dazu wird, wie berichtet, ein Gutachten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eingeholt.

Dass das Unglück zu verhindern gewesen wäre, glaubt man indes zumindest im Raum Amstetten in NÖ nicht. Auch dort hatten Veranstalter und Gäste Freitagabend die Wucht des Naturereignisses zu spüren bekommen, als plötzlich ein Sturm mit rund 100 km/h Windgeschwindigkeit aufzog. Auf Anraten des Zeltverleihs brach der Musikverein Wachtberg daraufhin sein Bezirksmusikfest in Behamberg ab und evakuierte das Festzelt.

"Es ging so schnell. So ein Unwetter war nicht abzusehen", sagt Musikvereinsobmann Martin Riesenhuber.

Gegen 23.30 Uhr hätten sich rund 650 Gäste im Festzelt befunden, die Band Starmix hatte gerade ihren Auftritt. Doch plötzlich hatte das Windmessgerät des Festzeltverleihs, der vor Ort auch einen kleinen Vergnügungspark betrieb, Windspitzen von 87 km/h angezeigt. "Wir haben dann gesagt, das Risiko ist zu groß", sagt Firmenchef Günter Schlader. "Das war schlagartig, so etwas habe ich noch nicht gesehen."

Binnen Minuten seien die Böen heftiger geworden, sagt Riesenhuber. "Wir haben das Zelt gerade noch rechtzeitig zumachen können. Dann wurde die Entscheidung getroffen, zu evakuieren", berichtet Alexander Madler, Kommandant der Feuerwehr Wachtberg. Die Räumung des Zeltes verlief ohne Zwischenfälle. Kurz darauf sei das Unwetter schon wieder vorbei gewesen. Das Fest sei trotzdem abgebrochen worden.

Aus dem Nichts

Sowohl Veranstalter als auch Feuerwehr betonen, die Unwetterwarnungen verfolgt zu haben. "Die Böen sind aus dem Nichts gekommen. Das war absolut nicht vorherzusehen", sagt FF-Kommandant Wachter. Auch Schlader vom gleichnamigen Zeltverleih kann sich nicht an Vergleichbares erinnern. Er plädiert nun dafür, Veranstalter künftig stärker bei Unwetterwarnungen einzubinden.

Ob aus dem Unglück in Oberösterreich nun Konsequenzen für Freiluftveranstaltungen gezogen werden, wollte man im Büro des für Katastrophenschutz zuständigen Landesrats Elmar Podgorschek (FPÖ) nicht sagen. Man wolle erst die Ermittlungen abwarten.