Chronik | Niederösterreich
23.03.2017

Terrorverdächtige: Bowlen statt Haft

Zwei der mutmaßlichen IS-Sympathisanten von St. Pölten sind unter strengen Auflagen frei.

Statt Zellenputzen und Spaziergängen im Innenhof der Justizanstalt gibt es Bowling, Stemmen im Fitnessstudio sowie Lernen für die Matura und den Führerschein. Zwei jener Terrorverdächtiger von St. Pölten, die im islamischen Gebetsraum des Uni-Klinikums versucht haben sollen, IS-Gefolgsleute zu rekrutieren, sind am Donnerstag aus der Untersuchungshaft entlassen worden – unter strengen Auflagen.

Wie bei jugendlichen und jungen erwachsenen Untersuchungshäftlingen üblich, muss nach dem Jugendgerichtsgesetz nach ihrer Inhaftierung eine sogenannte Sozialnetzkonferenz abgehalten werden. Dabei wird unter Einbeziehung des Bewährungshilfevereins Neustart abgewogen, welche Gefahr von den Verdächtigen ausgeht und ob es nicht Sinn macht, sie unter einem engmaschigen Sozialnetz in Freiheit zu betreuen.

"Es wird ein verbindlicher Zukunftsplan erstellt. In dieser Vereinbarung ist die Freizeit der Betroffenen genau geregelt", erklärt Andreas Zembaty von Neustart. Während für die beiden Hauptverdächtigen Emmanuel M. (19) und Islam A. (23) die Untersuchungshaft wegen Flucht-, Verdunklungs- und Tatbegehungsgefahr bis 24. April verlängert wurde, sind Arsuo M. (19) und Argjend G. (18) am Donnerstag frei gekommen. "Mein Mandant ist streng gläubig, lehnt das Gedankengut des IS aber strikt ab. Er hat sich einfach mit den falschen Leuten umgeben und in falschen Kreisen bewegt", erklärt der Verteidiger von Arsuo M., Wolfgang Blaschitz.

Was die Tagesgestaltung der beiden Freigelassenen anbelangt, haben das Gericht und Neustart einen genauen Plan festgelegt.

Beide Verdächtigen haben aus eigenen Stücken ihre Smartphones abgegeben und stattdessen Tastentelefone in Verwendung. Damit sollen sie nicht in Versuchung geraten, über Messengerdienste wie WhatsApp und Chats wieder mit IS-Gedankengut in Berührung zu kommen.

Beide müssen sofort wieder die Schule besuchen; sie stehen unmittelbar vor der Matura. Außerdem wird ihnen aufgetragen, die bereits begonnene Führerscheinausbildung fortsetzen.

Krafttraining

Was die Freizeitgestaltung anbelangt, gibt es ganz genaue Regeln. Es ist festgelegt, was die Jugendlichen dürfen und was nicht. Am Plan steht beispielsweise der Besuch im Bowlingcenter oder zumindest zwei Mal pro Woche Kraft- oder Ausdauertraining im Fitnessstudio. Ziel ist es, die Verdächtigen durch möglichst viel Beschäftigung vor einem erneuten Abdriften abzuhalten. Es ist beispielsweise auch geregelt, welche Moschee sie für ihre Gebete aufsuchen dürfen. Dies wurde durch ein religionskundiges Organ, dass die Szene genau kennt, festgelegt.

Betreut und beobachtet werden die Handlungen vom Verein Neustart. Die Verdächtigen müssen außerdem in regelmäßigen Abständen mit ihrem Bewährungshelfer Kontakt aufnehmen.