Chronik | Niederösterreich
31.01.2018

Taxifahrt über die Autobahn statt 30 Meter Fußweg über Bahngleise

Wegen einer Baustelle bei einem Bahnübergang müssen Fußgänger mit dem Taxi fahren.

Für Kopfschütteln sorgt derzeit eine Baustelle im Stadtgebiet von Stockerau (Bezirk Korneuburg). Aufgrund der hohen Bahntaktung muss auf der Bundesstraße B3 eine Bahnunterführung gebaut werden. Das Teilstück wurde für den Verkehr gesperrt. Und auch Fußgänger dürfen die etwa 30 Meter über die Bahnkreuzung während der Bauarbeiten zwischen sechs und 19 Uhr nicht überqueren.

Dafür wird eigens eine provisorische Fußgängerbrücke gebaut, die allerdings erst am 6. Februar fertig wird. Da die Baustelle aber schon am Dienstag begonnen hat, müssen die Fußgänger nun eine mühevolle Umleitung hinnehmen: Vor der Baustelle steht ein Taxi, das die Passanten von der einen auf die andere Seite bringt – allerdings mit dem Umweg einmal rund um die Stadt. "Das ist eine richtige Husch-Pfusch-Lösung. Anstatt, dass sie die Baustelle eine Woche später starten, machen sie so etwas", schüttelt der Taxifahrer den Kopf.

Den Grund für den vorgezogenen Baustart erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif: "Wir haben uns dazu entschieden, vor der Gleissperre Probepfähle herzustellen, wofür die ausführende Firma auch um eine frühere Straßensperre angesucht hat. Diese Pfähle befinden sich direkt neben dem Gehweg, wodurch eine Fußgängerleitung nicht möglich ist."

Umständlich

Ebenfalls kurios: Während Schulbusse die Bahnkreuzung queren dürfen, muss das Taxi den sieben Kilometer langen Weg über die Autobahn (A22) nehmen. Der zusätzliche Zeitaufwand dafür sind etwa fünf Minuten. "Bei starkem Verkehr aber auch schon mal 15 Minuten", sagt der Taxi-Lenker.

Warum die Busse fahren dürfen, und das Taxi nicht, erklärt Seif so: "Die Bauarbeiter wissen, dass die Busse regelmäßig fahren. Dafür wird die Baustelle frei gemacht. Der Shuttleservice kommt aber unregelmäßig und kann deswegen die Bahnkreuzung nicht queren."

Hinzu kommt, dass der Taxilenker manchmal stundenlang vor der Baustelle steht, ohne dass ein Fußgänger kommt. "Da wird die Warterei dann etwas langwierig", schildert der Taxifahrer.

Kostenpunkt für die Dauer des Shuttleservices bis 6. Februar: 2000 Euro. Bezahlt wird dies zu gleichen Teilen von ÖBB und Land Niederösterreich.

Auch die Anrainer und Betroffenen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: "Das ist die katastrophalste Baustellenplanung, die ich in meinem Leben gesehen habe", lässt ein Fußgänger wissen, bevor er in das Taxi steigt, um auf die andere Seite zu kommen.