Chronik | Niederösterreich
19.03.2016

Strenge Vorgaben beim Spitalsbau

NÖ verbaut bis 2023 zwei Milliarden Euro in seinen Kliniken. Wien ist bei Bettenkosten Spitzenreiter.

"Das Krankenhaus Nord bleibt ein Fass ohne Boden." Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres ging zuletzt im KURIER-Interview mit der Gesundheitspolitik der Bundeshauptstadt hart ins Gericht. Seine Forderung: Baustopp für Wiens neues Vorzeigespital. Das Projekt, dessen Fertigstellung aktuell zwei Jahre hinter dem Zeitplan liegt, kämpft mit einer Preisexplosion: die prognostizierten Gesamtkosten umfassen derzeit 1,09 Milliarden Euro – budgetiert waren einst 825 Millionen.

Auch rund um die Bundeshauptstadt wird eifrig an Spitälern gebaut: Niederösterreich investiert bis 2023 insgesamt zwei Milliarden Euro – allein heuer werden es 270 Millionen Euro sein. Ein neues Projekt wird zwar nicht hochgezogen, aber zahlreiche andere sind aktuell im Laufen. Niederösterreichs Ärztekammerchef Christoph Reisner ist zwar mit der Schwerpunktsetzung der Spitalsholding nicht immer einverstanden. Öffentliche Kostendebatten über Spitalsbauten gibt es hier aktuell aber nicht.

Raumbuch

Mitgrund dafür ist eine neue Art der Planung. Die Landeskliniken-Holding hat erstmals ein "Standard-Raumbuch" erarbeitet. "Dieses steht über allen Bauprojekten, da hier erstmals alle notwendigen Standards an einen modernen Spitalsbetrieb festgehalten wurden", sagt Holding-Manager Helmut Krenn. "Unter anderem wurden Raumgrößen, heruntergebrochen auf die jeweiligen Abteilungen, bis hin zum richtigen Fußboden für die verschiedenen Bereiche definiert. Damit sind wir Vorreiter und können sicherstellen, dass Planungsfehler hintangestellt werden." Die Vorschriften würden eine recht genaue Kostenkalkulation ermöglichen und würden jährlich aktualisiert.

Der zuständige ÖVP-Landesrat Karl Wilfing verweist auf die Wertschöpfung: "65 Prozent unserer Spitalsinvestitionen gehen direkt in die regionale Wirtschaft." Ein Punkt, den Wirtschaftswissenschafter Gottfried Haber unterstreicht: Bau-Investitionen der Landeskliniken-Holding hätten in den Jahren 2013 bis 2016 mehr als eine Milliarde Euro Wertschöpfung ausgelöst und etwa 12.000 Arbeitsplätze geschaffen. In Niederösterreichs Spitälern arbeiten insgesamt 20.500 Menschen. "Alleine 2016 wird durch Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur eine Wertschöpfung von 279 Millionen Euro ausgelöst", rechnet Haber vor. Generell würden Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur höhere Multiplikatorenwirkungen erzielen als andere Infrastrukturprojekte."

Jedes Jahr zählen die Krankenhäuser in NÖ 170.000 Operationen und 360.000 stationäre Aufenthalte. Eine Statistik des Gesundheitsministeriums listet auf, welche Kosten eben diese stationäre Pflege verursacht. Im Österreich-Schnitt kostete ein Spitalsbett 2014 rund 203.000 Euro pro Jahr (siehe Grafik). Für jedes der rund 8000 Betten in NÖ waren exakt 178.779 Euro fällig. Günstiger lagen die Patienten nur im Burgenland (177.119 Euro). Spitzenreiter in diesem Ranking ist Wien, wo ein Bettenplatz pro Jahr mit 258.525 Euro zu Buche schlug.

Das nächste große Spitalsprojekt in Niederösterreich ist übrigens der komplette Neubau des Klinikums Wiener Neustadt. Die Planungen dafür sind noch nicht abgeschlossen. Wilfing kalkuliert aber schon jetzt mit Errichtungskosten von "800 bis 900 Millionen Euro".