Chronik | Niederösterreich
16.01.2018

Stillstand 2.0 – Neue Panne am Semmering wird totgeschwiegen

Die Bergbahnen verlieren kein Wort über Gebrechen während des Flutlichtbetriebes Montagabend.

Die Betreiber der Gondelbahn am Zauberberg Semmering-Hirschenkogel scheinen vom Pech verfolgt: Am vierten Betriebstag nach der durch Defekte bedingten Zwangspause musste am Montag der Abendbetrieb abermals eingestellt werden. Laut KURIER-Informationen war erneut ein technisches Gebrechen an der Anlage aufgetreten, weshalb der Lift während des Flutlichtbetriebes stillstand. Skifahrer, die unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt wurden, ließen ihrem Unmut in sozialen Medien freien Lauf.

Besonders die Informationspolitik des fest in ukrainischer Hand befindlichen Unternehmens mutet in Bezug auf die technischen Gebrechen derzeit sehr seltsam an. Weder auf der Homepage, noch auf der Facebookseite der Bergbahnen wurde man über die Einstellung des Liftbetriebes informiert. "Zuerst wurden wir von 18 Uhr auf 18.30 Uhr vertröstet. Danach hieß es, dass der Lift heute Abend wegen eines Gebrechens gar nicht mehr in Betrieb geht", schildert ein Skifahrer. Auch alle Telefonanrufe bei den Bergbahnen am Hirschenkogel blieben Montagabend unbeantwortet.

Dementi

Der verantwortliche Betriebsleiter dementierte gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten sogar den KURIER-Bericht über die Pannenserie. Die Rede war lediglich von einem "aufgescheuerten Kabel".

Noch über Nacht konnte der Schaden behoben werden. "Wir konnten am Dienstag in der Früh den Betrieb wieder aufnehmen", bestätigt eine Mitarbeiterin auf Anfrage des KURIER.

Geöffnet ist allerdings nach wie vor nur die Kabinenbahn. Obwohl die Bergbahnen am Dienstag via Facebook mit frisch gefallenem Schnee und "idealen Bedingungen" warben, steht der 4er-Sessellift am Hirschenkogel nach wie vor still. "Weil bis jetzt zu wenig Schnee lag und wir leider durch die ungeplante Reparatur der Gondel einige Arbeitsstunden verloren haben, die in die Öffnung des Sesselliftes gegangen wären", lautet die Stellungnahme des Unternehmens. Wann der Sessellift aufgesperrt wird, ist fraglich.

Im benachbarten Skigebiet Stuhleck reibt man sich angesichts der Zustände am Hirschenkogel die Hände. Nicht zuletzt deswegen, weil am Zauberberg trotz des eingeschränkten Liftbetriebes der volle Liftkartenpreis verlangt wird, weichen viele Skifahrer auf die steirische Seite des Semmerings aus. Am Stuhleck laufen seit 1. Dezember durchgehend die Lifte. "Wir haben heuer eine starke Saison, hoffen aber, dass es dem Zauberberg bald wieder gut geht. Uns geht es am besten, wenn die ganze Region stark ist", betont Fabrice Girardoni, Geschäftsführer der Berglifte Stuhleck. Um die Region ist es auch dem Land Niederösterreich gegangen, als man den ukrainischen Eigentümern der Panhans-Holding-Group im Dezember mit einem Übernahmeangebot der Bergbahnen aus der Patsche helfen wollte. Wie berichtet, lehnten die Eigentümer ab. Was nach dem ausgeschlagenen Hilfsangebot passierte, ist nicht unbedingt die feine englische Art. In ihrer Not, einen geeigneten Betriebsleiter und Stellvertreter für die Liftbetriebe am Semmering zu finden, versuchten Headhunter sogar Personal der Bergbahngesellschaften des Landes Niederösterreich abzuwerben. Die Mitarbeiter hielten jedoch ihrem Arbeitgeber die Treue.