Chronik | Niederösterreich
05.05.2017

Steuerhinterziehung: 290.000 Geldstrafe für Ehefrau von Hermann Nitsch

Rita Nitsch hat laut Anklage durch Schwarzverkäufe 190.000 Euro Umsatzsteuer und rund 770.000 Euro Einkommenssteuer umgangen.

Am Landesgericht Korneuburg hat sich am Freitag ein Schöffensenat mit Finanzvergehen befasst, die der Frau von Hermann Nitsch angelastet wurden. Die Künstlergattin bekannte sich der Abgabenhinterziehung schuldig. Sie hatte laut Anklage durch Schwarzverkäufe von Kunstwerken 190.000 Euro Umsatzsteuer und rund 770.000 Euro Einkommenssteuer umgangen und erhielt eine Geldstrafe von 290.000 Euro.

Die Causa war 2013 aufgeflogen, und zwar durch eine Anzeige des mittlerweile verstorbenen Privatdetektivs Dietmar Guggenbichler, den Rita Nitsch zur Aufklärung eines Einbruchsdiebstahls im Weinviertler Schloss Prinzendorf des Künstlers eingeschaltet hatte. Im folgenden Ermittlungsverfahren war die Beschuldigte vollinhaltlich geständig und gab an, ohne Wissen ihres Mannes gehandelt zu haben. Hermann Nitsch - bei der unter großem Medieninteresse ablaufenden Verhandlung anwesend - habe sich nur seiner künstlerischen Tätigkeit gewidmet. Auch sämtliche Steuernachforderungen wurden bereits bezahlt, führte Staatsanwalt Ronald Schaffer aus.

Bei dem Einbruch damals war der Tresor aufgeschnitten worden. Gegenüber der Polizei habe die Beschuldigte den Diebstahl von 400.000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von 100.000 Euro angeben, so Schaffer. Dem parallel zu den Ermittlungen beauftragten Detektiv habe sie jedoch die dreifache Summe genannt. Als Tatzeitraum der Abgabenhinterziehung nannte der Staatsanwalt 2006 bis 2010.

Die Einvernahme der 60-Jährigen dauerte keine Viertelstunde. Sie habe sich um die finanziellen Belange gekümmert, wirtschaftliche Ausbildung habe sie nicht, gab die Frau an. Bilder habe sie nur bis 2010 verkauft, dann nicht mehr, weil ihr alles zuviel geworden sei, verwies sie u.a. auf die Organisation von Ausstellungen.

Im Beweisverfahren wurde auf Zeugen verzichtet. Nach kurzer Beratung fällte der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Lydia Rada das Urteil, das im Fall der Nichteinbringung der Summe auf neun Monate Freiheitsstrafe lautete. Mildernd gewertet wurden die geständige Verantwortung und Kooperation der Angeklagten im Ermittlungsverfahren sowie die Begleichung der Steuerschuld. Die Beschuldigte nahm das Urteil an. Es ist aber nicht rechtskräftig, weil der Staatsanwalt und der Vertreter der Finanzbehörde keine Erklärung abgaben. Ein Statement der Künstlergattin war im Anschluss nicht zu bekommen.

Anzeige von Detektiv

Die Causa Nitsch beschäftigt die Staatsanwaltschaft seit nunmehr drei Jahren. Im März 2014 stand erstmals der Verdacht von Steuerhinterziehung im Raum. Die Anzeige kam von Detektiv Dietmar Guggenbichler, der auch schon den Fall Lucona aufgedeckt hat. (Das Schiff Lucona war ein mit Schrott beladener Frachter, der 1977 im Auftrag von Udo Proksch gesprengt wurde, um die Versicherung für eine angeblich geladene Uranerzaufbereitungsanlage zu kassieren. Sechs Besatzungsmitglieder starben, Proksch wurde verurteilt, Anm.) Rita Nitsch hatte Guggenbichler im März 2013 persönlich um Ermittlung nach einem Einbruch im Schloss der Nitschs in Prinzendorf im niederösterreichischen Weinviertel, gebeten. Damals hatten es Diebe auf den Tresor des Künstler abgesehen. Rita Nitsch gab damals bei der Polizei an, dass 400.000 Euro in bar in dem Safe lagen, sowie Schmuck im Wert von 100.000 Euro.

Doch Guggenbichler soll von Nitsch selbst gehört haben, dass sich zum Zeitpunkt des Einbruchs nicht 400.000, sondern 1,5 Millionen Euro in dem Safe befanden hätten. Damals erklärte Guggenbichler: "Diese Aussage habe ich aufgenommen und meine Mitarbeiter waren Zeugen." Hermann und Rita Nitsch hingegen dementierten das stets. Weil Guggenbichler das Ehepaar Nitsch anzeigte, rückte Ende März die Finanzpolizei im Schloss in Prinzendorf zu einer Razzia an, später hat der Fiskus das Schloss in Prinzendorf sogar mit einem Pfandrecht belegt.

Im Gespräch mt dem KURIER erklärte Rita Nitsch damals: "Nein, ich habe keine Bilder meines Mannes schwarz verkauft. Aber vielleicht habe ich das eine oder andere Bild nicht ordentlich deklariert."

Damals war zunächst die Rede von 1, 5 Millionen Euro, später von drei Millionen Euro Steuern, die Nitsch nicht gezahlt haben soll. Beim Prozess im Mai sind "nur noch" 970.000 Euro Gegenstand. "Ich habe bereits etwa 900.000 Euro Schulden und Zinsen bezahlt", sagt Rita Nitsch.