Der Motoripark ist das neue Highlight bei den Kindern

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Chronik | Niederösterreich
08/24/2016

St. Corona: Der Tourismus ist zurück

Alternative Konzepte holen Ex-Wintersportort aus dem Dornröschenschlaf.

47 Jahre lang galt St. Corona am Wechsel als kleine, nostalgische Perle des Wintersports. Riesengroß war der Ärger, als das Land NÖ 2014 den schwer defizitären Liftbetrieb einstellte und die Seilbahnen abgebaut wurden. In der Region versuchte man die erwartete Tragödie mit 20.000 Unterschriften vergeblich zu verhindern.

Zwei Jahre danach scheint wieder die Sonne am Wechsel. Nicht nur am Himmel, sondern auch in den Gemütern der Einheimischen. Das fünf Millionen Euro teure, touristische Ersatzprogramm einer "Familienarena", hat voll eingeschlagen. Nach dem Vorbild von St. Corona wollen nun auch andere krisengebeutelte Wintersportzentren mit Ganzjahres-Konzepten ein touristisches Comeback schaffen.

"Zum Teil haben die Politiker völlig umsonst die Watschen eingesteckt, als das Aus der Lifte erklärt wurde. Wir haben auch nicht damit gerechnet, dass das neue Konzept so aufgeht", sagt der Bürgermeister von St. Corona, Michael Gruber. Die Familienarena umfasst ein kleines Kinder-Skiland mit Teppich- und Seil-Lift samt Skischule, die neue Sommerrodelbahn Corona-Coaster und seit Juni den Motoripark – eine Art Klettergarten und Freiluft-Fitnessparcours speziell für Kinder und Jugendliche. Anfang Oktober wird mit der Wechsel-Lounge ein Gastronomiebetrieb beim Motoripark eröffnet. Dazu kommt ein Kinderspielplatz sowie ein Bikepark für Kinder von drei bis zwölf Jahren.

Rekordzahlen

Die Besucherzahlen übertreffen bisher alle Erwartungen. Insgesamt bringen die Attraktionen bereits jetzt mehr Gäste, als der frühere Winterbetrieb. "Wir hatten seit Anfang Juli 40.000 Beförderungen mit dem Corona Coaster", freuen sich Landesrätin Petra Bohuslav und Familienarena-Geschäftsführer, Karl Morgenbesser. Im Motoripark gab es in zwei Monaten 5500 Eintritte und die bei Wanderern und Ausflüglern besonders beliebte Herbstzeit steht erst bevor. Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Attraktionen ganzjährig nutzbar sind. Wegen des milden Wetters öffnete die Sommerrodelbahn zuletzt sogar in den Weihnachtsferien ihre Pforten. "Besonders zufrieden ist die Gastronomie in der Region. Sie haben jetzt über das ganze Jahr verteilt eine gute Auslastung", sagt Gruber.

Schneeberg und Co.

Wegen der zunehmend schneearmen Winter ist auch in anderen Regionen Einfallsreichtum gefragt. Das Land geht in Puchberg am Schneeberg sogar soweit, das Skigebiet Losenheim mit einem Mattenhang aus Kunststoff auf einen Ganzjahresbetrieb umzustellen. Gerade für das junge Publikum wird auf den Matten auch eine 140 Meter lange Tubingbahn installiert.

Touristisch gesehen werden auf der niederösterreichischen Landkarte in den kommenden Jahren dank Beschneiung und moderner Anlagen nur noch die großen Skigebiete wie Hochkar, Ötscher oder Semmering als gefestigte Wintersportzentren übrig bleiben.