© Philipp Kienzl

Chronik Niederösterreich
12/05/2011

"Sind transparenter als früher"

Zwei Jahre Moschee in Bad Vöslau: Sie hat eine Öffnung gebracht, sagen die einen. Die FPÖ spricht von Parallelgesellschaften.

von Philipp Kienzl

Cem Firat nimmt sich kein Blatt vor den Mund und entkräftet gleich zu Beginn ein gängiges Vorurteil. "Mir persönlich ist Gott nicht sehr wichtig", sagt der Künstler mit türkischen Wurzeln. Firat sitzt im Gebetsraum der Bad Vöslauer Moschee, die in der nächsten Woche ihr zweijähriges Jubiläum feiert, und spricht über seine Erfahrungen rund um das Kulturzentrum. Firat nahm am Mediationsverfahren im Vorfeld des Bauprojekts teil.

Als größten Erfolg seit dem Start im Oktober 2009 bezeichnet er die Öffnung nach außen hin. "Wir sind einfach transparenter geworden", erklärt der gebürtige Vöslauer. Seit 1982 hatte die türkische Community zwei Gebetsräume betrieben, die sich jedoch in baufälligen Hinterhöfen befanden.

"Jetzt kommen die Menschen zu uns und erkundigen sich, wie es zugeht. Ich alleine habe bereits 100 Führungen abgehalten."

Viele Bürger kennen die Moschee nur aus den Medien und hätten völlig verklärte Bilder im Kopf. "Einige sind dann sogar enttäuscht, dass das Gebetshaus nicht so prachtvoll wie in der Türkei ausgefallen ist." Und tatsächlich hat der moderne Zweckbau wenig mit "1001 Nacht" zu tun. Einzig die Minarette lassen von außen auf eine Moschee schließen.

Die Glastürme entwickelten sich im Mediationsverfahren auch zum Knackpunkt. "Uns wurden Stolpersteine in den Weg gelegt", sagt der Austrotürke rückblickend. "Wir haben über 20 Zentimeter an Höhe mehr oder weniger diskutiert, aber nicht über die wichtigen Dinge. Die Idee aus der Kurstadt eine Kulturstadt zu machen, scheiterte am politischen Widerstand. Trotzdem: Die Moschee ist eine Erfolgsgeschichte."

FPÖ skeptisch

"Vordergründig passt die Situation für Bad Vöslau", sagt FPÖ-Obmann Peter Gerstner. "Ob die Moschee zur Integration beiträgt, bezweifle ich aber." Vizebürgermeister Alfred Kainz (Liste Flammer) ist zufrieden: "Wir haben jetzt eine Anlaufstelle zur türkischen Gemeinschaft, das Projekt funktioniert gut."