© Franz Gleiß

Chronik Niederösterreich
06/12/2020

„Sie schicken mich in die Hölle“

Ahmad Aydibi droht die Abschiebung, seine Freundin Lena Heher kämpft fürs Bleiberecht.

von Teresa Sturm

Lena Heher (28) und Ahmad Aydibi (32) haben sich 2016 kennengelernt. „Wir haben uns sofort verstanden“, erinnert sich die Biobäuerin aus Melk. „Beim zweiten Date hat er für mich gekocht.“ Mittlerweile sind die beiden seit vier Jahren ein Paar und haben einiges durchgemacht. Nun hat Aydibi, der 2014 aus dem Libanon nach Österreich gekommen ist, einen negativen Asylbescheid. Doch Heher kämpft weiter dafür, dass ihr Freund bleiben darf.

Die letzten Jahre waren eine Achterbahnfahrt, die Hoffnung betreffend. Bei einer Anhörung 2018 wurde Aydibi mündlich zugesagt, dass er bleiben könne. „Doch dann gab es offenbar eine Intervention. Der Akt ist nach St. Pölten gekommen. Damit bin ich auch zu verschiedenen Anwälten, aber es interessiert niemanden“, erzählt Heher. Im Sommer 2019 gab es dann einen negativen Bescheid. Das Paar brachte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Anfang März war dann eine weitere Verhandlung. Die Beschwerde wurde abgewiesen. „Die Richterin meinte, dass ich meinen Freund ja besuchen oder per Telefon in Kontakt bleiben kann“, sagt Heher. Im Moment versucht sie über verschiedene Parteien und Organisationen noch Kontakte zu jemandem bekommen, der helfen kann. „Es kann doch einfach nicht sein, dass man jetzt in dieser Zeit Abschiebungen in ein Risikogebiet durchführt.“Auch Asylmissbrauch sei Aydibi schon vorgeworfen worden.

Aydibi hätte Arbeitsstelle

„Ich verstehe schon, was Asyl ist. Aber es gibt einen Ermessensspielraum und da verstehe ich nicht, dass man das auslegen kann, wie man will“, so Heher. Aydibi spricht gut Deutsch, engagiert sich ehrenamtlich, arbeitet einen Tag in der Woche im Henryladen des Roten Kreuzes und hilft im Betrieb von Heher mit. Zudem hätte er, wenn er die Arbeitserlaubnis bekommt, schon eine Arbeitsstelle, sagt Heher. Eine internationale Firma würde ihn brauchen, weil er Arabisch spricht und eine technische Ausbildung hat.

„In die Hölle“

Aydibi kennt die Situation im Libanon von seinen Eltern: „Wenn ich abgeschoben werde, schicken sie mich in die Hölle.“ Es würde immer wieder Ausschreitungen geben. „Dort bin ich eine fremde Person. Ich habe hier in Österreich meine Beziehung, meine Freunde“, sagt der 32-Jährige. „Er hat sich hier etwas aufgebaut“, sagt Heher.

Aydibi ist 2014 mit seinem mittlerweile 19-jährigen Bruder Hassan ins Land gekommen. Obwohl auch er ehrenamtlich tätig ist und eine Ausbildung gemacht hat, ist auch sein Bescheid negativ. Was Aydibi vor allem kritisiert, ist die Willkür im System: „Ich kenne viele, die nach wenigen Monaten zwar einen Asylstatus, aber nach Jahren noch immer keine Deutschprüfung abgelegt haben.“

Mittlerweile haben die Brüder eine Einladung zur Identitätsfeststellung wegen der drohenden Abschiebung, da sie keinen Pass haben, brauchen sie Ersatzpapiere. Aydibi und seine Freundin überlegen nun zu heiraten. Dafür fehlen aber auch Dokumente aus dem Libanon. Außerdem müsste er dafür persönlich in der Botschaft in Beirut einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen – „aber noch ist Hoffnung da“, sagt Aydibi.

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