Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

"Sekt-Orange, das tut wirklich weh"

Sekt-Aficionado Karl Steininger und seine großartigen Schaumweine für einen tollen Start ins neue Jahr. VIDEO: So wird Sekt gemacht.

Karl Steininger aus Langenlois ist Kämpfer für mehr Sektkultur in Österreich. Schaumwein-Freunde lieben seine sortenreinen Kreationen ebenso wie professionelle Verkoster, denn Steininger-Sekte sind echte Abräumer bei vinophilen Wettbewerben. Und wenn er dann hört, dass viele guten Sekt mit Orangensaft oder Fruchtnektar mischen, dann schüttelt er resigniert den Kopf: "Das tut wirklich weh".

Viel lieber würde er hören, dass es Genießer gibt, die Sekt als Essensbegleiter versuchen. Im Gespräch mit KURIER.at erzählt er, dass dies beispielsweise in Italien durchaus üblich sei. In Österreich gebe es aber sehr wenig Sektkultur. Sekt oder Champagner als Aperitiv, mehr könne man von unserer Gastronomie nicht erhoffen. Steininger empfiehlt hingegen, auch mal Schaumwein zum Essen zu versuchen. Dabei kann man Sekt auch dekantieren - die grobe Kohlensäure entweicht und die feine Perlage bleibt und der Sekt kann besser atmen. "Alle die das mal versucht haben, waren begeistert."

"Das mit dem Löffel ist ein Blödsinn"

Der Winzer hat aber noch andere gute Tipps für den Sekt-Konsum parat: "Mein Sekt hält mehrere Tage, man muss ihn nur wieder luftdicht verschließen. Das mit dem Löffel ist ein Blödsinn". Damit spielt er auf den weit verbreiteten Irrglauben an, dass die Kohlensäure bewahrt bleibe, wenn man einen Löffel in den Flaschenhals hängt. Wenn die Flasche wieder verschlossen wird, dann baut sich durch die Kohlensäure wieder Druck auf und ab 0,5 Bar entweicht keine Kohlensäure mehr.

Grundwein und Jahrgang

Steiningers Philosophie ist sehr einfach: Er kauft nicht irgendwelchen Grundwein zu, sondern erzeugt ihn selbst und achtet dabei auf höchste Qualität. Seine Sekte entsprechen dem österreichischen Weißweinstil - fruchtig, duftig und frisch. Die Flaschengärung erfolgt mit neutraler Hefe, dauert bewusst nur ein Jahr und unterstreicht diesen Charakter daher noch zusätzlich. Abgesehen vom Grundwein - die Palette reicht von Grünem Veltliner über Riesling bis hin zu Sauvignon Blanc und Zweigelt. Nicht zu vergessen seine Burgunder-Cuvée, die im aktuellen Jahrgang 2006 wieder großartig geworden ist. Steininger-Sekte schmecken auch nicht jedes Jahr gleich. Da der Winzer so wenig wie möglich in die Vinifikation eingreift, kann man immer wieder aufs Neue die Jahrgangsausprägungen entdecken.

Grüner Veltliner 2003

Apropos Jahrgang: 2003 war bekanntermaßen ein großartiges Weinjahr. Steininger hat das Potenzial seiner 2003er sofort erkannt und den Grünen Veltliner dreieinhalb Jahre in Akazienfässern reifen lassen. Erst dann wurde dieser monumentale Wein in Magnumflaschen versektet. Das Ergebnis ist grandios und kann in Österreich nur schwer überboten werden: Ein breites Aromenspektrum mit Duft nach frischem Heu, floralen Noten, kräftiger Würze und markenten rauchigen Tönen. Dazu Steinobst und etwas Exotik wie Grapefruit und Papaya. Am Gaumen cremig, engmaschig und druckvoll. Kräftige Struktur gehoben von feiner Perlage - eineinhalb Liter, die bis zum letzten Tropfen Spaß machen. Weitere Kostnotizen unter folgendem Link...