Inkasso-Post an einen
Toten: Greta Riedl
bekämpfte die Forderung mit Josef Auer, Bezirksstellenleiter der AK-Hollabrunn

© KURIER/Stefan Straka

Hollabrunn
07/23/2014

Seit 22 Jahren tot: Inkasso-Büro schickte 90-Euro-Rechnung

Mit einer alten Masche versuchen Kriminelle an Geld zu kommen. Diesmal kam eine Forderung an einen Toten. Die Witwe reagierte sofort.

von Stefan Straka

Der Briefumschlag war unscheinbar, der Inhalt eine bodenlose Frechheit, genauso wie der Adressat mit "Herr Riedl". Greta Riedl öffnete das Kuvert trotzdem und staunte nicht schlecht als sie den Inhalt durchlas.

Ein tschechisches Inkasso-Büro fordert von ihrem 1992 verstorbenen Ehemann 90 Euro für mehrere Telefonate ins Ausland. Besonders makaber: Die Gespräche von dem GSM-Mobiltelefon sollen noch dazu heuer am 21. Jänner um 21.06 Uhr getätigt worden sein.

"Ich habe ein Mobiltelefon. Aber das ist in der Regel abgedreht. Zuhause habe ich ohnehin den Festnetzanschluss", sagt Greta Riedl.

Zwar war die Pensionistin im ersten Moment schockiert. Doch eines wusste Frau Redl sofort: "Das sind Betrüger, denen man das Handwerk legen muss. Wir sind ja mitten im Leben."

Mit dem Inkasso-Brief besuchte sie Josef Auer, Leiter der Arbeiterkammer-Bezirksstelle in der Brunnthalgasse. Nach einem kurzen Telefonat wusste der Arbeitsrechtler, dass das tschechische Inkasso-Unternehmen mit Sitz in Prag auf einer "Black list" steht – und zwar fast ganz oben. Immer wieder erhalten Österreicher derartige Briefe. "Viele ältere Leute haben Angst und zahlen das vielleicht sogar ein", sagt Auer.

Rat und Tat

Mit derartigen Briefen sollte sofort die nächste AK besucht werden. Auf der Homepage der AK gibt es auch Vordrucke für Antwort-Briefe. Den Inkassanten wird sinngemäß mitgeteilt, dass man keinerlei vertragliche Vereinbarungen mit ihnen hätte. Das schrieb auch Josef Auer in den Brief für Greta Riedl. Eine Antwort erwartet Auer nicht. "Üblicherweise ist danach Funkstille", sagt Auer. Eine Betrugs-Anzeige bei der Polizei ist ebenfalls in Vorbereitung.