Ela D. möchte wissen, was bei der Versicherung schief gelaufen ist

© /Katharina Zach

Niederösterreich
01/27/2017

Sechs Wochen lang kein Krankengeld erhalten

Nach schwerem Unfall ließ sich Versicherung lange bitten, ehe eine Leistung floss.

von Katharina Zach

"Wie kann das sein? Plötzlich bin ich ein Sozialfall. Dabei gehe ich doch arbeiten." Ela D. aus dem Bezirk Mödling ist fassungslos. Sechs Wochen lang musste die alleinerziehende Kinderbetreuerin nach einem Unfall auf das ihr zustehende Krankengeld warten. Existenzbedrohend für sie und ihre zwei Kinder. Mitte Jänner musste D. sogar auf der Gemeinde um Sonderunterstützung ansuchen. "Ich habe gedacht, ich werde nervenkrank. Die Wochen waren der Horror."

Im Oktober hatte D. einen schweren Autounfall. Sie erlitt unter anderem einen mehrfachen Schlüsselbein-Bruch. Ab 29. Oktober wurde sie krankgeschrieben. Nach sechs Wochen, ab 12. Dezember, sollte die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter die Hälfte ihres Entgeltes übernehmen. Das Krankengeld wird laut BVA-Satzungen üblicherweise alle vier Wochen im Nachhinein überwiesen. Diesmal ließ das Geld jedoch bis 24. Jänner auf sich warten. Somit hatte D. für Dezember und den Großteil des Jänners nur 1500 Euro durch die Gehaltsfortzahlung durch ihren Arbeitgeber zur Verfügung.

Erstmals erhielt sie Anfang Jänner einen Brief von der BVA. "Sie haben am 30. Dezember geschrieben, dass mein Krankenstand bis 9. Dezember anerkannt wurde", erzählt D. Zur Anerkennung weiter gehender Arbeitsunfähigkeit und für die Auszahlung von Krankengeld würden Befunde benötigt. Am 4. Jänner schickte Ela D. diese los und erkundigte sich nach dem Krankengeld. "Man hat mir gesagt, es wird bis 9. überwiesen." Doch das Geld kam nicht, stattdessen erhielt sie ein Schreiben, wonach sie am 17. Jänner zur Begutachtung kommen soll. Wieder fragte D. nach dem Krankengeld.

Hilfe aus Polen

Mittlerweile wurde es knapp. "Die Rechnungen warten ja nicht." Am Telefon hätte man ihr beschieden, dass es kein Geld gäbe, ehe sie nicht von einem BVA-Arzt begutachtet worden wäre. "Wenn Befunde fehlen, warum sagen sie mir das nicht. Und warum bekomme ich den Termin so spät?", fragt D. "Meine Schwester aus Polen hat mir dann zur Unterstützung Geld geschickt." Auch einen Gehaltsvorschuss musste sie beantragen. "Es kann doch nicht sein, dass man für das, was einem zusteht, so kämpfen muss."

Erstaunlicherweise dauerte es selbst nach dem Begutachtungstermin am 17. Jänner noch einmal eine Woche, bis sie das Krankengeld am Konto hatte. Die Auszüge liegen dem KURIER vor. Bei der BVA betont man, das Geld gleich nach der Kontrolle angewiesen zu haben. Warum es sechs Wochen dauerte bis D. Krankengeld erhielt, dafür gab es vorerst keine Erklärung. "Wir werden dem intern nachgehen", verspricht BVA-Sprecher Peter Fieber.

D. ist nun noch zwei Wochen arbeitsunfähig. Sie hofft, dass sie auf das restliche Krankengeld nicht so lange warten muss

Info-Flyer fand kaum Empfänger

Im November war Ela D. nach ihrem Unfall mit gebrochenem Schlüsselbein aus dem Spital Mödling weggeschickt worden – der KURIER berichtete. Die Unfallabteilung war zuvor nach Baden übersiedelt und es war Bevölkerung und Ärzten unklar, welche Selbsteinweiser nun wo behandelt werden. Die Landeskliniken-Holding versprach eine Info-Offensive – etwa Postwurfsendungen an alle Haushalte in den Bezirken Baden und Mödling sowie Schwechat.

Allerdings erreichten die Broschüren bei weitem nicht alle. Bei der Holding betont man, 103.054 Stück verschickt zu haben. "Leider mussten wir auch beim niederösterreichweiten Versand eines ELGA-Folders Ende letzten Jahres bemerken, dass nicht alle Haushalte die Broschüre bekommen haben", heißt es. Ist also die Post schuld? Mitnichten. Die verweist darauf, dass Haushalte mit Werbeverzicht-Sticker die Folder nicht erhalten. Immerhin, sie werden nun auch an Apotheken und niedergelassene Ärzte verschickt. Auch auf der Spitals-Homepage sollte die Broschüre zu finden sein, war aber Donnerstagabend nicht aufrufbar.

Update:

Nach dem KURIER-Bericht über die Info-Flyer zu den Leistungen der beiden Krankenhäuser Baden und Mödling, hat die Landeskliniken-Holding die Links zu den Schreiben noch einmal überarbeitet. Die für Patienten wichtigen Informationen sind nun nicht nur auf den Startseiten der jeweiligen Spitals-Homepages sondern auch unter der Rubrik Ambulanzen und den FAQs abrufbar.

www.moedling.lknoe.at

www.baden.lknoe.at

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