Sechs Trainingslügen

Über den idealen Fettverbrennungspuls, die richtige Atmung, den optimalen Laufstil und andere Unwahrheiten.

Übers Laufen wird unglaublich viel gesagt und geschrieben. Nicht immer die Wahrheit. Einige Gerüchte halten sich trotzdem hartnäckig.

"120 Puls ist der ideale Fettverbrennungspuls"
Das ist ungefähr so, wie wenn die Maxime an alle Krafttrainierenden hieße; "Drück 3x(10x75kg) auf der Langbank, mach 3x10 Wiederholungen Klimmzüge usw." Der eine ist bei 120 Puls anaerob (d.h. er kann nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen und muss die Leistung früher oder später abbrechen, die andere ist bei 120 Puls noch nicht einmal losgelaufen, sondern steht immer noch dort.

Wo ist er nun, der "ideale Fettverbrennungspuls"? Erstens reden wir, wenn überhaupt, vom sog. "Fettstoffwechselbereich", einem Intensitätsbereich, in dem bevorzugt Fette verstoffwechselt werden (und das können nur Hochausdauertrainierte!) und zweitens siehe vorige Klammer!

Un- oder Wenigtrainierte sind nicht oder kaum in der Lage, Fette zu verbrennen (beim Training), sondern müssen das erst lernen. Dennoch nehmen sie aufgrund der negativen Energiebilanz (so denn eine vorhanden ist) im Laufe der Zeit ab und verbessern ihren Fettstoffwechsel!


"Beim Laufen nur durch die Nase atmen, dann bist Du im richtigen Intensitätsbereich"
Toll für alle, die eine schiefe Nasenscheidewand haben (und von denen gibt es reichlich…), die können dann maximal gehen. Beim Sport ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man durch Mund und Nase atmet! Der richtige Intensitätsbereich ergibt sich entweder aus der abgelesenen Pulsfrequenz, der Watt-Leistung oder aus der Befindlichkeit. Außerdem: Wie soll man sich mit geschlossenem Mund mit dem Trainingspartner unterhalten?


"Immer über die Ferse abrollen"
Jeder Mensch hat aufgrund seiner Körperzusammensetzung, seiner biomechanischen Voraussetzungen und seiner Bewegungs-Vorerfahrung einen anderen Laufstil.

DEN idealen Laufstil gibt es nicht. Man kann seinen individuellen mit Lauftechnik-Übungen zwar verbessern und ökonomisieren, aber zwei Individuen werden niemals exakt gleich laufen (auch wenn im Spitzenbereich die Unterschiede nur noch marginal sind). Ob man nun über die Ferse abrollt oder nicht, ist unter anderem auch noch vom Lauftempo abhängig.


"Ich bewege mich eh so viel, wieso nehme ich nicht ab?"
Die meisten Leute denken, wenn sie tagtäglich zu Fuß die Stiegen nehmen, der Straßenbahn hinterher laufen, in der Arbeit viel stehen müssen, und dreimal die Woche für 40 Minuten laufen gehen, sie verbrennen unendlich viel Energie.

Mitnichten! 40 Minuten laufen verbrennt je nach Körpergewicht und Tempo zwischen 200 und 1000 (Weltrekord im 10.000-m-Lauf plus Auslaufen!) kcal. Also 3/4 eines großen Bieres bis knappe zwei (kleine) Tafeln Schokolade! Mut zur Askese!


"Bei einem 1-h-Lauf muss ich mir unbedingt eine Flasche isotonischen Getränks mitnehmen, sonst verdurste ich!"
Nur, wenn sie davor drei Tage lang NICHTS getrunken haben!


"Beim Nordic Walking trainiere ich aufgrund des enormen Stockeinsatzes auch meinen Oberkörper ganz toll."
Nur, wenn sie mit den Beinen nichts machen und diese während der Armbewegung in der Luft baumeln lassen (aber Achtung, sehr schwierig!). Sonst ist der zusätzliche positive Effekt für den Oberkörper und den erhöhten Energieverbrauch bei ca. 0! Oder, um einige Studien zu zitieren, bei ca. 5 Prozent Mehrverbrauch. D.h., Sie verbrennen in einer Stunde NW statt 200 kcal ca 210 kcal. Also eine halbe verschluckte Ameise mehr.

Erstellt am 05.12.2011