Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Schlechter Start für 2008er-Bordeaux

Die Preise könnten trotz geringstem Ertrag seit 1991 sinken. Die Nachfrage nach Luxus-Weinen bei Auktionen ist eingebrochen.

Das französische Prestige-Weinbaugebiet Bordeaux muss mit einem drastischen Ertragsrückgang zurecht kommen. Der Verband der Bordeaux-Winzer gab kürzlich bekannt, dass die Lese im vergangenen Herbst den geringsten Ertrag seit dem Jahrgang 1991 erbracht hat. Der Jahrgang 2008 liegt mit 2,55 Millionen Hektolitern satte 19 Prozent unter dem bereits als "schwach" deklarierten vergangenen Jahrgang 2007. Weinexperten spekulieren jetzt über Qualität und Preisentwicklung für den 2008er-Bordeaux.

Petrus verzichtet auf Subskription

Richtungsweisend wird sicherlich die Entscheidung von Jean-Pierre Moueix, dem Besitzer des legendären Chateaux Petrus, sein. Er verzichtet vorderhand gänzlich auf die Subskription, bei der sich Weinhändler durch Vorfinanzierung schon vorweg die besten Weine sichern können. Vermutlich werden die großen Weingüter die ersten Verkostungen und Bewertungen abwarten, und ihre Entscheidungen erst im Mai treffen. Motivation für den Verzicht auf die Subskription könnte einerseits die Wirtschaftskrise sein, andererseits könnte es als Indiz für einen schwachen Jahrgange gewertet werden. Die französische Weinagentur behauptet naturgemäß etwas anderes.

Coburg-Experte rechnet mit sinkenden Preisen

Thomas Breitwieser, Chefsommelier vom Palais Coburg, rechnet trotz der vermeintlich geringeren Erntemenge mit sinkenden Preisen. Die Preise für 2006 und 2007 waren durch die gewaltige Nachfrage aus China exorbitant hoch, auf diesem Niveau könne es auch aufgrund der Wirtschaftskrise nicht weitergehen. Die Nachfrage nach Luxusweinen sei schon bei den letzten Auktionen eingebrochen: Bisher wurden rund 85 Prozent der Weine umgesetzt, zuletzt waren es nur noch 30. Breitwieser empfiehlt im Gespräch mit KURIER.at, sieben bis acht Jahre zu warten - wenn man das Geld anderwertig anlegt, wird die Wertsteigerung vermutlich größer sein als beim Wein. So ist auch die Einkaufsstrategie des Palais Coburg angelegt, außer bei rund fünf Spitzenweingütern, deren Weine sonst vergriffen wären.

Menge bei Top-Qualitäten konstant

Zudem kommt, dass die Erträge des höherwertigen, roten Bordeaux Supérieur praktisch unverändert blieben, da die Ertragsmenge ohnehin immer stark reduziert wird. Von den Ernteeinbußen am stärksten betroffen sind roter Bordeaux der Basisqualität (um 21 Prozent weniger Ertrag als 2007), weißer Bordeaux und Rosé (26 bis 28 Prozent). Als Gründe für die schwachen Erntemengen nennt die französische Weinagentur instabiles Wetter sowie den Befall der Bordeaux-Rebstöcke durch Krankheitserreger. Die Absatzprobleme für die niedrigen Qualitäten werden daher vermutlich gemildert, wenngleich es die Einkommenssituation der Winzer weiter verschlechtern wird.