Schiefergas: OMV will Bürger überzeugen

Der heimische Energieriese will verunsicherte Bürger im Weinviertel ins Boot holen. Eine Förderung wäre frühestens 2019 möglich.

Ein herzlicher Empfang sieht anders aus. In schwarz gekleidete Bürger von Poysdorf trugen am Montagmorgen vor dem Golfhotel Veltlin das Weinviertel symbolisch zu Grabe. „ Weinviertel statt Gasviertel“ lautet die Parole der gleichnamigen Bürgerinitiative.

Drinnen wollte das OMV-Management jenes Projekt vorstellen, das die Poysdorfer so verunsichert. Der heimische Energiekonzern will sogenanntes Schiefergas tief aus dem Boden der Region fördern.

Genug Gas, so vermutet die OMV, um den heimischen Bedarf für 30 Jahre zu decken. Das Problem: Dieses besondere Gas kann nur mit einer speziellen Fördermethode gewonnen werden. „Fracking“ wird sie genannt und beispielsweise in den USA bereits seit etlichen Jahren angewendet.

Umwelt-Sorgen

Die ökologischen Bedenken allerdings sind groß. „Da rennt man bei uns offene Türen ein. Wir sagen ganz klar: Wenn wir es nicht schaffen, das Schiefergas ökologisch zu fördern, dann werden wir es nicht machen“, versicherte Christopher Veit, Geschäftsführer der OMV Austria.

Eine „cleane“ Fördermethode werde gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben seit zwei Jahren entwickelt. „Bei dieser Methode wird nur Wasser, Sand und Maisstärke verwendet, keine Chemikalien“, konstatiert Professor Herbert Hofstätter von der Universität Leoben. Es werde zu keiner Kontamination von Grundwasser kommen, so die Überzeugung der OMV.

Auch das Landschaftsbild werde weniger leiden als vielfach befürchtet. „Wir kalkulieren mit einem Bohrplatz pro 25 Quadratkilometer“, rechnete OMV-Projektleiter Hermann Spörker vor. Insgesamt sei das Gebiet, in dem das Schiefergas vermutet wird, 200 Quadratkilometer groß – das ist in etwa die halbe Fläche der Stadt Wien. Eine gesetzliche Umweltverträglichkeitsprüfung sei zwar nicht vonnöten, sagte Veit, „wir werden aber unabhängig davon eine in Auftrag geben“.

Erste Tests

In einer ersten Phase werde nun im Spätsommer mit zwei Probebohrungen begonnen, die die technische und auch wirtschaftliche Machbarkeit zeigen sollen. Insgesamt werden hierfür 130 Millionen Euro investiert. Die Hälfte davon entfällt auf die reine Bohrung bis in 6000 Meter Tiefe, 10 bis 15 Millionen Euro werden für das Fracken aufgewendet, der Rest entfällt auf Kosten für die Infrastruktur (wie etwa den Bau von Gas- und Wasserleitungen).

Wenn alles glatt läuft, dann rechnet die OMV mit einer groß angelegten Förderung frühestens 2019/20. Zu aller erst müssen aber jetzt die Bürger mit ins Boot geholt werden. Zu diesem Zweck lud die OMV am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung.

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( Kurier ) Erstellt am 23.01.2012