Chronik | Niederösterreich
18.11.2017

Schädelbruch bei Faschingsumzug: "Indianer" verurteilt

15 Monate bedingte Haft für 49-jährigen Mann, der 18-Jährigen mit Pirschstock niederschlug.

Einmal im Jahr herrscht in den beiden Nachbargemeinden im südlichen Niederösterreich Ausnahmezustand. Als bekannte Faschingshochburgen besteht zwischen Zillingdorf und Lichtenwörth im Bezirk Wiener Neustadt schon immer eine gewisse Rivalität. "Ich bekomme von dort jedes Jahr Verletzte", meint dazu der unfallchirurgische Gerichtssachverständige, Ferdinand Bareck. Was sich jedoch vergangenen Faschingsdienstag beim Umzug in Zillingdorf abspielte, hat mit Konkurrenzkampf nichts mehr zu tun. Verantwortlich für die Feiern, die von Tausenden Zuschauern besucht werden, zeichnen sich die jeweiligen Burschenklubs der Ortschaften.

Vermutlich weil er als Zuschauer in Zillingdorf das Vereinsshirt seines Clubs aus Lichtenwörth offen zur Schau gestellt hatte, wurde ein 18-Jähriger beinahe zu Tode geprügelt. Während die verkleideten Gruppen zur Schlusskundgebung in einen Holzstadel einzogen, wurde Hans-Peter E. mit einem Pirschstock, über dessen Metallspitze ein echter, blutiger Hühnerkopf gestülpt war, niedergeschlagen. Die Folgen waren verheerend. Offener Schädelbruch, Trümmerbruch der Augenhöhle, Einblutungen in die Netzhaut. Lange Zeit war nicht klar, ob das Opfer auch das Augenlicht verlieren wird. So weit kam es schließlich nicht.

Durch akribische Ermittlungen gelang es der Polizei, den Täter auszuforschen. Es handelt sich um den Häuptling einer Indianergruppe, 49 Jahre und Gemeindearbeiter – "bewaffnet" mit einem Jagd-Pirschstock samt Hühnerschädel.

Der wegen schwerer Körperverletzung Angeklagte beteuerte beim Prozess am Freitag am Landesgericht Wiener Neustadt seine Unschuld. Er habe den Stock beim Einzug in die Halle verloren und kurz darauf zufällig wiederbekommen. Wie oder von wem, konnte er sich nicht mehr erinnern. Es müsse also ein anderer das Kriegsbeil geschwungen haben.

Videobeweis

Dagegen spricht eine Videoaufnahme, die den Indianer während des Einzugs mit dem "Corpus Delicti" zeigt. Als die Polizei den Verdächtigen zu Hause besuchte und von ihm den Pirschstock verlangte, wollte er den Beamten zunächst einen anderen unterjubeln. Auf dem Richtigen fanden sich im Labor schließlich die DNA-Spuren des Opfers. Die Richterin verurteilte den 49-Jährigen zu 15 Monaten bedingter Haft (nicht rechtskräftig). Das Opfer meldete 9000 Euro Schmerzensgeld an.