Chronik | Niederösterreich
08.08.2017

Rekrut in Niederösterreich starb an Überhitzung des Körpers

Obduktionsergebnis bestätigt den Verdacht eines Mediziners im KURIER. Ministerium richtet Untersuchungskommission ein.

„Ehre ist für uns nicht nur ein Wort.“ Dieser Leitspruch prangt auf den Abzeichen, die die Soldaten der Garde des Bundesheeres tragen. Toni P. war erst ganz frisch bei der Truppe, die an dem scharlachroten Barett zu erkennen ist. Aber nur wenige Wochen nach dem Einrückungsbefehl starb der 19-Jährige an einem Hitzschlag. Eine Sonderkommission des Bundesheeres soll den Fall nun penibel durchleuchten, eine weitere wird die Folgen für den Dienstbetrieb beraten, wie General Franz Reißner am Dienstag mitteilte.

Der tragische Vorfall ereignete sich am vergangenen Donnerstag. Bei extremen Temperaturen waren die Soldaten am Nachmittag in der Horner Radetzky-Kaserne zu einem Marsch losgeschickt worden. Nach etwa vier Kilometern klagte der junge Mann plötzlich über Übelkeit und Schwindel und brach zusammen. Er verlor in weiterer Folge das Bewusstsein und wurde zurück in die Kaserne gebracht. Nachdem ihn ein herbeigeeilter Notarzt versorgt hatte, ließ dieser ihn ins Krankenhaus einliefern. Wenige Stunden später war P. tot.

Anzeichen

Das vorläufige Obduktionsergebnis bestätigt nun den Verdacht von Universitätsprofessor Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien auf Anfrage des KURIER anhand der bekannten Symptome – nicht auf Basis der Krankenakte des 19-Jährigen. „Die Anzeichen deuten auf einen Hitzschlag hin“, sagte Hutter. Tatsächlich sei der Tod des Rekruten laut Staatsanwaltschaft Krems auf Überhitzung des Körpers zurückzuführen. Vorbehaltlich weiterer Untersuchungen gebe es keine Hinweise auf eine relevante bakterielle Erkrankung des Grundwehrdieners, teilte Franz Hütter, Sprecher der Kremser Staatsanwaltschaft mit. Etwaige Vorerkrankungen würden aber noch untersucht.

Überhitzung bedeutet, dass die Körpertemperatur über das für den Organismus erträgliche Ausmaß ansteigt“, sagt Gerichtsmediziner Wolfgang Denk, der die Obduktion durchgeführte. Es sei ähnlich wie bei starkem Fieber. Im Fall des Rekruten dürfte die Körpertemperatur jenseits der kritischen 42 Grad gestiegen sein. „Der Körper kann nicht genug Wärme nach außen abgeben. Dadurch kommt es zu einem Herzversagen“, erklärt Denk. Im Nachhinein zeigt sich, dass 170 Rekruten umsonst Antibiotika schluckten, obwohl es keine Anzeichen für eine Infektion des Verstorbenen gab.

Kritische Stimmen

Schon kurz nach dem Tod des Mannes gab es mehrere kritische Stimmen, die auch via Facebook betonten, dass es verantwortungslos sei, die Soldaten an einem der bisher heißesten Tage in der prallen Sonne marschieren zu lassen. Angehörige von betroffenen Soldaten meldeten sich beim KURIER und schilderten „menschenunwürdige“ Zustände. Ein Vorgesetzter soll den betroffenen Rekruten sogar noch gezwungen haben weiterzumarschieren, obwohl dieser bereits mehrmals Schwindelgefühle und Übelkeit meldete.
Im Verteidigungsministerium betont man, dass derzeit eine Ermittlungskommission die Ereignisse vom 3. August aufarbeite. „Alle Vorwürfe, die an uns herangetragen werden, werden geprüft“, sagt Sprecher Dietmar Rust.

Zwei Kommissionen

Geleitet wird die Sonderuntersuchungskommission, die den genauen Ablauf der Tragödie klären soll, von Miliz-Brigadier Hans Rathgeb, seines Zeichens aus Gerichtspräsident in Salzburg. Generalleutnant Günther Höfler soll darüber hinaus feststellen, ob der Vorfall Konsequenzen nach sich ziehen wird. Ob es etwa Änderungen in der Ausbildung von Rekruten geben muss.

General Franz Reißner betont, dass es bisher keinen Hinweis auf eine dienstliche Verfehlung gebe. Im Verteidigungsministerium hieß es, dass viele Dinge derzeit in sozialen und klassischen Medien kursieren, für die es keine Anhaltspunkte gebe. So seien die Rekruten auch nicht mit 30 Kilo Gepäck unterwegs gewesen, sondern lediglich mit leichtem Marschgepäck. Auch sei der Stationenlauf vereinfacht und großteils in den schattigen Wald verlegt worden.