Chronik | Niederösterreich
24.04.2017

Polizeiarbeit im Wandel der Zeit: Das Land braucht viele neue "Manager"

Laut Experten werden die Herausforderungen für die Führung der Exekutive immer größer. Und auch die Politik will mitmischen.

Bei einer der größten Strukturreformen bei der Polizei wurden vor fünf Jahren alle Sicherheits-, Bundespolizei- und Landespolizeidirektionen zu einem gemeinsamen Apparat zusammengelegt. Mit 1. September laufen die Verträge der amtierenden Landespolizeichefs und ihrer Stellvertreter aus, was das Postenkarussell schon jetzt gehörig in Schwung bringt.Wie vom KURIER berichtet, kommt es aller Voraussicht nach am 1. Juli zu einer ungewöhnlichen Rochade. Der oberste Polizist des Landes, Konrad Kogler (52), gibt seinen Job als Generaldirektor für öffentliche Sicherheit auf und übernimmt von Franz Prucher (61) den Posten des Landespolizeidirektors in NÖ. Prucher soll im Innenministerium eine neue Aufgabe bekommen. Details sollen demnächst von offizieller Seite bekannt gegeben werden.

Bis es so weit ist, hüten sich sowohl Kogler als auch Prucher, die Rochade zu kommentieren. Zumal offizielle Wege eingehalten und die Stelle des Landespolizeidirektors neu ausgeschrieben werden muss. Es ist aber mehr als fraglich, ob es sich überhaupt jemand zutraut, gegen Österreichs höchsten Polizeibeamten ins Rennen zu gehen.

Ausschreibung

Schon in den kommenden Tagen soll der Posten offiziell ausgeschrieben werden. Dazu gehört auch ein Eintrag in ein Amtsblatt. Danach müssen sich die Bewerber einer Kommission stellen, die vor allem aus hochrangigen Mitarbeitern des Innenministeriums besteht. Ein gewichtiges Wörtchen mitzureden bei der Bestellung des Polizeichefs hat aber auch der jeweilige Landeshauptmann – im aktuellen Fall ist das Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die bereits ihre Präferenz für Kogler erkennen ließ. Kein Wunder, denn noch nie konnte ein amtierender Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit als Landespolizeidirektor gewonnen werden.

Übrigens: Der Abschluss eines Jus-Studiums ist keine zwingende Voraussetzung, um den Job zu bekommen. Ein Beispiel dafür ist der Landespolizeidirektor von Oberösterreich, Andreas Pilsl. Er hat "nur" ein Masterstudium absolviert.

Schlüsselstellen

Die Polizeichefs der Bundesländer werden von Kriminalsoziologen als die Schlüsselstellen zwischen klassischer Sicherheitsarbeit und äußeren Einflüssen gesehen. Für den Leiter des Wiener Zentrums für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung, Reinhard Kreissl, ist der Job nichts für den klassischen "Universal-Polizisten, der sogar noch Strafzettel ausstellen kann". Vielmehr erfordere die Aufgabe heutzutage Management-Qualitäten: "Man muss die Polizei wie ein großes Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern sehen", sagt Kreissl. Für die neuen Sicherheitsaufgaben wie Terrorismus oder Cyberkriminalität gäbe es ohnedies die jeweiligen Fachabteilungen.

"Ein Polizeichef muss die internen Entwicklungsprozesse gegen Einwürfe von außen abschirmen. Die größte Herausforderung ist wohl, den politischen Einfluss richtig zu managen", ergänzt der Kriminalsoziologe.

Ein guter Draht zum Bund kann dem neuen "obersten Kieberer" in NÖ trotzdem nicht schaden. Schon jetzt warnen Gewerkschafter vor einem akuten Personalmangel in den kommenden Jahren. "Es steht eine Pensionierungswelle bevor. Das muss der Politik deutlich gemacht werden", warnt AUF-Mann Robert Rathammer.