Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Pfarre im Marchfeld probt Aufstand

Kirchenstreit: Die Bürger stehen geschlossen hinter ihrem Seelsorger Schüller: "Der Helmut muss bei uns bleiben!"

Josef Hotzy, der rote Ortsvorsteher ("ich bin aber für alle Bürger da") von Probstdorf, einer kleinen Katastralgemeinde von Groß-Enzersdorf (NÖ), lässt über "seinen" Helmut Schüller kein schlechtes Wort kommen: "Es war ein Glück, dass wir ihn seinerzeit, als unser damaliger Pfarrer in Pension ging, überhaupt überreden konnten, zu uns zu kommen."

Seit 1997 also ist Helmut Schüller, der ehemalige Caritas-Präsident, geistiges Oberhaupt der vier Ortschaften umfassenden Pfarre Probstdorf. Vor rund fünf Jahren stellte Schüller gemeinsam mit Pater Udo Fischer die "Pfarrer-Initiative" vor, die sich für Mitverantwortung, Mitentscheidung und Mitgestaltung in der katholischen Kirche starkmacht. Am 19. Juni 2011 wurde im Internet der "Aufruf zum Ungehorsam" veröffentlicht, der unter anderem die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt, die Abschaffung des Zölibats und die Einsetzung von Laienpredigern fordert. Bisher haben sich 300 Priester eingetragen.

Und jetzt steht Schüller auf der "Roten Liste" der gefährdeten Seelsorger ganz, ganz oben.
"Der Helmut muss bei uns bleiben! Den lassen wir uns nicht wegnehmen", stellt Hotzy, das weltliche Oberhaupt von Probstdorf, unmissverständlich fest. In seiner Küche gibt es einen "Herrgottswinkel", an Sonntagen besucht er die heilige Messe.

"Waunns uns den Schüller wegnehman, daunn stehn ma gaunz ohne Pforra do", ist eine Pensionistin am Ortsrand, die gerade ihren Rasen mäht, überzeugt. Irgendeinen Pfarrer, der alle heiligen Zeiten nach Probstdorf kommt, gschwind eine Messe runterbetet und dann wieder verschwindet, will keiner. "Denn der Helmut ist ein echter Seelsorger. Er ist volksnah, gratuliert allen älteren Ortsbewohnern persönlich, wenn sie runde Geburtstage feiern, geht ins Wirtshaus, sprich - er ist einer von uns", ergänzt Hotzy.

"Noch verspüre ich keine Angst, dass man uns den Helmut wegnimmt. Wir stehen alle voll und ganz hinter ihm", sagt Hildegard Hampapa, die stellvertretende Obfrau des Pfarrgemeinderates von Probstdorf. Laut Hampapa steht Schüller "mit beiden Beinen voll im Leben": "Er ist ein liebevoller Pfarrer, ein echter Seelsorger. Schüller lebt das, was er sagt. Kardinal Christoph Schönborn wirkt auf mich eher wie ein Mönch. Wenn man eine seiner Messen besucht, ist man von dem, was er sagt, enttäuscht. Da kommt nicht viel rüber."

Unterschriften

Hampapa unterstützt die "Pfarrer-Initiative" und hat innerhalb kurzer Zeit zusammen mit Gesinnungsgenossen 586 Unterstützungsunterschriften gesammelt und sie Schönborn übermittelt: "Jetzt warten wir auf seine Antwort. Wenn er auf unseren Brief und die Unterschriften nicht reagiert, dann überlegen wir uns die Abhaltung einer Pressekonferenz."

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