Chronik | Niederösterreich
21.01.2018

Petition: Bock auf den Karl-Lueger-Platz

Zwei Wiener fordern einen Ute-Bock-Platz in der Innenstadt, Tausende unterschrieben.

"Auch wenn sie zu Lebzeiten wohl nicht gewollt hätte, dass etwas nach ihr benannt wird, hat sie es sich verdient", sagt der Fotograf und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Julian Pöschl. "Etwas" – das ist die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes in der Innenstadt in Ute-Bock-Platz.

Freitagfrüh starb Österreichs bekannteste Flüchtlingshelferin im Kreise ihrer Schützlinge im Ute Bock Haus in der Zohmanngasse 28. Samstagabend hat Pöschl, der Bock auch persönlich kannte, mit Grafiker Severin Heckenast eine Petition ins Leben gerufen, die Sonntagabend von mehr als 10.000 Menschen unterschrieben worden war. Auch der Verein "Flüchtlingsprojekt Ute Bock" unterstützt die Aktion.

"Sie hat verdammt viel geleistet. Wie Ute Bock selbst gesagt hat: Man kann einfach nur versuchen, sein Bestes zu geben", sagt Pöschl. "Es wäre ein schönes und wichtiges Zeichen. Gerade in einer Weltstadt wie Wien."

Zudem wäre es laut den Initiatoren auch eine Möglichkeit, sich von dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Platz zu trennen. Immerhin sei der ehemalige Bürgermeister der Stadt Wien (von 1897 bis 1910) bekennender Antisemit gewesen. Der Ringabschnitt vor der Uni war bereits 2012 von Dr.-Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt worden. Seit damals werden immer wieder Forderungen laut, auch den Namen des Platzes unweit des Stadtparks zu ändern. 2013 gab es etwa eine Initiative, die den Namen "Nelson-Mandela-Platz" forderte. Vergebens. An den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger und Politiker erinnert ein Areal in der Donaustadt; der Karl-Lueger-Platz erhielt allerdings eine erklärende Zusatztafel, nachdem er von einer Historiker-Kommission als historisch belastet identifiziert wurde.

Vom Erfolg der Petition wurden Pöschl und Heckenast jedenfalls etwas überrollt. Man habe sich zu Beginn gesorgt, ob überhaupt 500 Unterschriften zusammenkommen. Das Gesuch soll nun noch bis Februar weiterlaufen. Beim "Lichtermeer für Ute Bock am HeldInnenplatz" am 2. Februar wollen die Initiatoren auf die Unterschriftenaktion aufmerksam machen. Dann wollen sie mit offiziellen Stellen in Kontakt treten.

Bremse

Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) bremst man die Euphorie etwas. "Wir unterstützen die Idee, eine Verkehrsfläche nach Ute Bock zu benennen", sagt eine Sprecherin. Allerdings müsse nach Vorgaben der Stadt ein Jahr gewartet werden. Meist werde dann eine Verkehrsfläche benannt, die einen Bezug zur Persönlichkeit hat. Und die Umbenennung des Karl-Lueger-Platzes? "Grundsätzlich benennen wir nicht um. Die Geschichte der Stadt wollen wir nicht auslöschen."