Pächterverein in Geldnöten

Foto: Reibenwein Michaela

Die Gemeinde soll ihr Versprechen halten und finanziell unterstützen, fordert der Verein. Der Bürgermeister ist sauer.

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Dem Pächterverein Langenzersdorf geht das Geld aus. Zwei Klagen gegen das Stift Klosterneuburg, die mittlerweile beim Obersten Gerichtshof gelandet sind, gehen an die finanzielle Substanz. Seit Jahren wehren sich Pächter gegen die Erhöhung der Pacht, die Beschränkung der Weitergaberechte und der Vererbbarkeit alter Pachtverträge. Und das bekamen Donnerstagabend bei der außerordentlichen Generalversammlung des Vereins auch die anwesenden Gemeindevertreter zu spüren – allen voran Bürgermeister Andreas Arbesser.

Aufforderung

„Im Vorjahr hat uns der Bürgermeister versprochen, dass uns die Gemeinde finanziell unterstützt“, sagt Vereinsobfrau Elisabeth Weidenthaler. „Auch von den anderen Parteien gab es Zusicherungen vor den letzten Wahlen.“ Doch bis heute gab es keinen Cent. „Die Aussagen von damals haben wir auf Video, das können wir jederzeit vorführen“, so Weidenthaler. Und sie forderte: „Wir wollen wissen wann und wie viel Geld wir bekommen.“

Ein Vorgehen, das bei den anwesenden Gemeindevertretern gar nicht gut ankam. „Den Gemeinderat jetzt unter Druck zu setzen, finde ich nicht gut“, erklärte der ÖVP-Bürgermeister sauer und wiederholte seine Zusage. „Ich bin auch bereit, 300,400 Euro aus der privaten Kasse beizusteuern.“

Auch der Gemeinderat habe erst kürzlich über die finanzielle Unterstützung beraten. „Aber uns fehlt die Transparenz im Verein. Niemand hat uns gesagt, was ihr wirklich braucht.“ Es gab bis zuletzt kein Ansuchen um eine Unterstützung in konkreter Höhe. Da kann Pächtervereins-Schriftführer Heinz Redl aushelfen: „Die Verfahren kosten rund 30.000 Euro, 15.000 Euro würden wir noch brauchen.“ Die Mitgliedsbeiträge reichen nicht aus.

Schicksale

Zwei Musterklagen sind im Laufen. Und auf das Ergebnis warten auch andere Betroffene. Unter ihnen Ingeborg Lang. „Meine Eltern haben bis zum Jahr 1996 3300 Schilling jährlich gezahlt.“ In Etappen wurde die Pacht für den Grund mit dem alten Häuschen auf derzeit 1007 Euro erhöht – ab Juli allerdings würde es für Lang 2195 Euro kosten. „Und wenn mein Sohn übernehmen würde, dann kostet es gleich 3400 Euro“, empört sie sich.

„Da stehen auch menschliche Schicksale dahinter“, betont Rechtsanwalt Werner Borns.Die Menschen hätten auf den Grundstücken gebaut – mit der Zusage, dass sie das Grundstück später erwerben können. Jetzt seien sie vom Stift abhängig. „Dieses Unrecht werden wir bekämpfen.“

Laut Borns hat das Oberlandesgericht Wien vor wenigen Tagen beschlossen, dass Weidenthalers Musterklage nun doch vor den OGH (Obersten Gerichtshof) kommt.

(kurier) Erstellt am
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