Chronik | Niederösterreich
04.10.2017

Opfer des eigenen Erfolges: Arche Noah kündigte alle ihre Vertriebsmitarbeiter

Schiltern: Verein machte alte Kulturpflanzen wieder salonfähig und leidet nun unter Konkurrenz von Großmärkten

"Wir haben erreicht, dass Bau- und Supermärkte verschiedenste Jungpflanzen verkaufen. Das ist ja ein Erfolg", sagt Christian Schrefel, Obmann des Vereins "Arche Noah", der sich in Schiltern bei Langenlois, Bezirk Krems, der Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt verschrieben hat. Nun kann aber der eigene Vertrieb mit dieser Konkurrenz nicht mehr mithalten. Die Konsequenz: Man entlässt alle Mitarbeiter der Tochter-Gmbh, die das bisher erledigt haben, und überlegt eine neue Lösung.

Betroffen sind rund 20 Mitarbeiter der Schaugarten-Gmbh, nicht aber jene des Vereins. Der Schaugarten beim Schloss bleibt bestehen, am 9. Oktober beginnt hier die übliche Winterpause.

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Über den Winter sucht der Verein neue Wege, erzählt Obmann Schrefel dem KURIER. "Es ist noch offen, ob wir das an Privatfirmen übergeben oder es eine andere Lösung gibt", sagt er.

"Wir sind mit den gekündigten Mitarbeitern im Gespräch. Betroffen sind etwa 13 bis 14 Personen, sowie einige, deren Zeitverträge ohnehin jetzt auslaufen", sagt Schrefel.

Die Arche Noah hat in einem Vierteljahrhundert gut 14.000 Mitglieder gewonnen, einen Vermehrungsgarten, sowie ein Saatgutarchiv aufgebaut. Außerdem hat sie ein großes Netz an Helfern geknüpft: Viele Vertrags-Biolandwirte bauen für die Arche Noah Kulturpflanzen an und versorgen sie mit Samen. So werden derzeit mehr als 170 Erdäpfelsorten erhalten, die auf dem Markt keine Bedeutung mehr haben.

Aber auch viele Privatleute bauen seltene Pflanzen in ihren eigenen Gärten an und unterstützen den Verein so bei der Vermehrung. Bei vielen Veranstaltungen informiert der Verein Interessierte und bietet überzählige Pflanzen zum Verkauf an.

Der Verein hatte auch an vorderster Front erfolgreich gegen eine geplante EU-Saatgutverordnung gekämpft, die die Zulassung alter Sorten erheblich erschwert hätte.