ÖVP und SPÖ rittern um Vormacht

Rot-Grün oder doch eine Dreierkoalition der anderen? Laab (mi.) verhandelt mit Straka (re.), Niederhammer mit allen anderen © Bild: KURIER/Stefan Straka

In Gänserndorf, Kreuzstetten und Stockerau beginnen die Koalitionsgespräche.

Historischer Erfolg für die ÖVP in Gänserndorf: Erstmals überholen die Schwarzen die SPÖ. Das Ergebnis sorgte auf beiden Seiten für überraschte Gesichter. VP-Spitzenkandidat Rene Lobner strotzt nun voller Selbstvertrauen: "Jetzt stellen wir den Bürgermeister-Anspruch." In der SPÖ leckt man hingegen die aufgerissenen Wunden. Ortschef Kurt Burghardt ist von den Wählern enttäuscht. "Wir haben ehrlichen, sachlichen Wahlkampf betrieben. Ich kann mir und dem Team nichts vorwerfen."

Politisch entschieden ist aber noch nichts. Die beiden Großparteien befinden sich in einer Pattsituation. ÖVP und SPÖ haben jeweils 14 Mandate. Dahinter erreichten die Grünen und die FPÖ jeweils vier. Zünglein an der Waage könnte die neu-formierte Bürgerliste sein, die mit einem Mandat in den Gemeinderat eingezogen ist.

Offiziell gibt es heute Abend ein erstes Treffen aller Parteien. In der Bevölkerung wird das Ergebnis ebenfalls erfreulich aufgenommen. "Es wird aber bereits über eine Dreier-Koalition gemunkelt", sagt Edeltraud Scheit. Eine Kooperation zwischen SPÖ, Grüne und Bürgerliste steht im Raum. Für Gerold Brandl ist aber klar: "An der ÖVP darf nun kein Weg vorbeiführen."

In Kreuzstetten herrscht nach der Wahl ebenfalls ein Patt. Mit einem minus von 25 Prozent ist die ÖVP knapp (drei Stimmen) hinter die SPÖ zurückgefallen. Der rote Spitzenkandidat Adolf Viktorik befindet sich bis Mittwoch auf Urlaub. Danach sollen die Gespräche starten. Im ÖVP-Lager ist man bemüht, rasch ein Verhandlungsteam zusammenzustellen. Einen Rücktritt von Bürgermeister Franz Strobl wollte man nicht bestätigen. Insidern zufolge sollen die Schwarzen auf eine Kooperation mit den Grünen spitzen, um weiterhin den Ortschef zu stellen. Für die Grünen ist ein solches Szenario aber nicht vorstellbar.

Wer mit wem und zu welchen Bedingungen? Das war am Tag nach der Wahl das Gesprächsthema in Stockerau. Ein rot-grünes Koalitions-Abenteuer wie beim letzten Mal ginge sich aus, doch Grün-Spitzenkandidat Andreas Straka ist äußerst reserviert. Aber auch die ÖVP wäre mit FPÖ und Grünen regierungsfähig. Einziger Haken dabei: die Grünen müssten über ihren Schatten springen. "Dann hätten wir die Zuschauerrolle", sagt SPÖ-Bürgermeister Helmut Laab.

In Korneuburg ist die Lage deutlich klarer. 22 der 37 Sitze im Gemeinderat bedeuten für VP-Bürgermeister Christian Gepp eine absolute Mehrheit. Die unterlegene SPÖ (neun Mandate) bat am Montag zur Krisensitzung. "Es war meine Schuld", gibt Spitzenkandidat Robert Zodl zu. Er verabschiedet sich in die "Politikerpension".

Positiv überrascht ist man hingegen bei der ÖVP. "Unser Ziel war es, die Stimmen von 2010 zu erhalten. Das Wahlergebnis nehmen wir mit Demut hin", so Gepp. Seinen konsensorientierten Kurs will er fortsetzen, noch diese Woche finden Gespräche mit den anderen Parteien statt. "Wenn es nach mir geht, wird sich in Zukunft daran sicher nichts ändern."

Von Desaster und Rettungsanker

Die Wunden nach der Wahl sind tief – vor allem bei der SPÖ. 620 Stimmen gingen Spitzenkandidaten Werner Gössl und seinem Team beim sonntägigen Urnengang flöten. Die Sozialdemokraten büßten von den neun Mandaten drei ein und halten somit bei sechs Mandaten. Für Gössl steht der Rücktritt „im Raum“.
„Wir haben versucht Sachthemen in den Vordergrund zu stellen. Aber wir sind damit beim Wähler nicht angekommen. Es ist dramatisch“, sagt Gössl. Man habe nie geschrien, „sondern nur aufgedeckt.“ Dass aber auch die ÖVP gegenüber 2010 ganze 517 Stimmen eingebüßt hat, sei kein Trost. Einziger Unterschied: Bei der ÖVP wirkt sich der Stimmenverlust durch die Wahlarithmetik nicht auf Mandate aus. Die Wahlsieger sind übrigens die Blauen mit Wolfgang Scharinger. Sie haben zwei Mandate dazugewonnen und halten nun bei sechs. Spannend wird es bei der Anzahl der Stadträte. Bei zehn würden SPÖ und FPÖ je zwei bekommen, reduziert die ÖVP auf acht würde die ÖVP auch sechs haben, SPÖ und FPÖ aber auf einen verzichten müssen.
40 Kilometer östlich, in Mistelbach, hat sich an den Verhältnissen im Gemeinderat ebenso wenig verändert. Die ÖVP unter Bürgermeister Alfred Pohl büßt zwar ein Mandat ein, verteidigt aber die absolute Mehrheit. In der SPÖ muss man künftig ebenfalls auf einen Gemeinderat verzichten. Freuen darf sich darüber die Liste alternativer Bürger, sowie die erstmals angetretenen Neos.

Erstellt am 27.01.2015