Chronik | Niederösterreich
02.06.2017

Öffi-Verkehr: Keine Station für Dornröschen-Bahn

Aspangbahn fährt direkt an neuer U1 vorbei. Den Ausbau fänden viele gut – aber nur theoretisch.

An einen Schildbürgerstreich dachte Maria Lanzendorfs ÖVP-Gemeinderat Stephan Roth, als er mit der Aspangbahn nach Wien pendelte. Obwohl an der Strecke eine eigene Bahnstation Oberlaa in Fußweite der künftigen U1-Endstation existiert, hielt der Dieseltriebwagen nicht an. Die Haltestelle ist nämlich aufgelassen.

"Dabei benötigt man für diese Strecke keine zehn Minuten, zum Hauptbahnhof braucht man hingegen satte 30 Minuten", ärgert er sich. Roth fordert nicht nur die Reaktivierung der Bahnstation Oberlaa sondern generell einen Ausbau der heute vor allem von Güterzügen genützten Aspangbahn. "Das Thema Verkehr ist im Speckgürtel dominant", meint er.

Derzeit fahren in der Früh lediglich zwei Triebwagen von Wiener Neustadt über die Aspangbahn nach Wien, die auch in Gemeinden wie Teesdorf, Traiskirchen, Laxenburg und eben Maria Lanzendorf halten. Sie fahren bei Kledering eine Schleife über Oberlaa. Die Verbindung am Nachmittag führt direkt vom Hauptbahnhof nach Niederösterreich. "Die Aspangbahn ist eine bestechende Verbindung, leider war sie immer das Stiefkind", bedauert Roth. "Sie ist nicht elektrifiziert, eine Dornröschen-Bahn"

Der Wunsch des Politikers bekommt mit der Einführung des Parkpickerls im nahen Wiener Bezirk Favoriten im September Relevanz. Auch beim Land NÖ fände man eine Elektrifizierung der Strecke sinnvoll, heißt es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Karl Wilfing ( ÖVP). Der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) fände wiederum eine Taktverdichtungen begrüßenswert. Allerdings müsste es dazu einen Ausbau geben, dem die ÖBB derzeit eine Absage erteilt.

Keine Genehmigung

Und so wird auch die Station Oberlaa wohl nicht reaktiviert werden. "Der Bahnhof ist im derzeitigen Zustand nicht genehmigunsgfähig", sagt VOR-Sprecher Georg Huemer. Eine Renovierung mache nur im Rahmen eines Gesamtkonzepts Sinn. Zumindest ist die Aspangbahn bei den Überlegung des Regionalbahnnetzes der Zukunft Thema. Zeithorizont: 2030.

Indes wappnet sich die Gemeinde Leopoldsdorf an der Stadtgrenze zu Wien-Favoriten für die dortige Parkpickerl-Einführung im September. "Wir sind gerade dabei, eine Gebietsverordnung zur Kurzparkzone auszuarbeiten", sagt Bürgermeister Fritz Blasnek ( ÖVP). Sie soll in der Rustenfeldsiedlung eingeführt werden, um zu verhindern, dass die Einpendler künftig vor der Stadtgrenze parken und mit dem Bus weiterfahren. Der Öffi-Verkehr wird seitens des VOR nämlich verstärkt. Der Takt der Regionalbusse 226 und 227 wird verdichtet; statt zum Reumannplatz fahren diese Linien sowie die Busse 266 und 271 künftig zur U1-Station Oberlaa. Dafür wurde sogar ein Stück der Leopoldsdorfer Straße für den Autoverkehr gesperrt.

Auch Taktverdichtungen auf der S7 und der S60 werden verhandelt. In den Station Blumenthal der Pottendorfer Linie und Kledering der Ostbahn können Fahrgäste künftig ebenfalls auf Busse umsteigen.