Chronik | Niederösterreich
01.02.2018

NÖ: ÖVP-Stadtrat unter Missbrauchsverdacht

Bezirk Gänserndorf: Akademiker fiel bereits wegen des ständigen Kontakts zu Jugendlichen auf.

Nach der Missbrauchs-Affäre um einen SPÖ-Politiker aus dem Mostviertel gibt es nun den nächsten Skandal – dieses Mal in Kreisen der Volkspartei. Ein Stadtrat aus dem Bezirk Gänserndorf soll einen Minderjährigen in seiner Wohnung sexuell missbraucht haben. Ans Licht gekommen ist die Angelegenheit, weil sich der 14-Jährige seinen Eltern anvertraut hat.

Staatsanwalt: "U-Haft beantragt"

Nach Ermittlungen des nö. Landeskriminalamts wurde der Politiker und Magister der Bildungs- und Erziehungswissenschaften wegen dringenden Tatverdachts festgenommen und in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. "Es geht um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen. Wir haben die U-Haft beantragt.", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl.

Schon im Dezember 2014 ist der Politiker wegen merkwürdiger Vorgänge in seiner Wohnung aufgefallen.

Vorwürfe von Nachbarn

Verzweifelte Nachbarn hatten sich damals an Medien gewandt, wodurch die Vorgänge öffentlich wurden. Es hagelte Beschwerden über lärmende und alkoholisierte Jugendliche, die der Politiker bei sich zu Hause aufnahm. Die Teenager sollen durch ihr lautes Verhalten in der Wohnung aufgefallen sein.

Der Politiker rechtfertigte sich damals damit, dass er "Problemkinder" in der Gemeinde von der Straße holen würde. Auch die Pfarrgemeinde stellte sich damals hinter den Mann und lobte seine "hohen moralischen Werte und seine soziale Ader". Er hätte vielen Jugendlichen über eine schwere Zeit hinweggeholfen. Der Bursche, der den Missbrauchsfall nun ins Rollen gebracht hat, sieht das freilich anders.

Der ÖVP-Bürgermeister der Stadt reagierte schockiert: "Es hat zwar immer wieder Gespräche wegen des Lärms gegeben, aber von diesen Nachrichten wurde ich überrascht." Die nö. Volkspartei hat den Verdächtigen am Donnerstag bereits ausgeschlossen.