2014 wurde die Verpflichtung von Köstler (M.) noch gefeiert.

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Medizin
02/19/2016

NÖ: Aus für unbequemen Primar nach nur einem Jahr

Auch in Niederösterreich haben kritische Ärzte eine kurze Halbwertszeit. Krebs-Experte ging nach Wien.

von Patrick Wammerl

Im Wiener Otto-Wagner-Spital soll ein unbequemer Lungenfacharzt mit seinem Rauswurf mundtot gemacht werden. Gernot Rainer hatte sich als Gründer der eigenen Ärzte-Gewerkschaft Asklepios im Gesundheitsressort der Stadt keine Freunde gemacht.

Das Schicksal des Mediziners ist kein Einzelfall. Auch in Niederösterreich haben kritische Ärzte eine kurze Halbwertszeit, wie das Beispiel eines Primararztes zeigt. Nur ein Jahr nachdem der renommierte Onkologe, Wolfgang Köstler, von der nö. Landesklinikenholding nach Wiener Neustadt geholt wurde, um ein Krebs-Kompetenzzentrum aufzubauen, musste er auch schon wieder die Klinik verlassen. Obwohl man Köstler extra von der Med-Uni-Wien für den Job geholt hatte, wurde sein Dienstvertrag nach nur einem Jahr vom Land nicht mehr verlängert.

Köstlers Verpflichtung wurde im Dezember 2014 im Rahmen einer Pressekonferenz noch als "Meilenstein" gefeiert. Für den Aufbau zu einem onkologischen Schwerpunktkrankenhaus habe man sich einen der größten Fachleute auf diesem Gebiet geholt, streuten die Verantwortlichen dem Mediziner damals noch Rosen. Ein Jahr später war plötzlich alles anders. Offiziell hieß es nur, dass Köstler wieder an die Med-Uni zurückkehre. "Ich will jetzt im nachhinein keine Schmutzwäsche waschen. Mir wurde vom Land einfach mitgeteilt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Das war es", war Köstler über die Vorgangsweise selbst verwundert. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass genau zu dieser Zeit an der Med-Uni ein spannender Job frei wurde. "Ich bin quasi auf der Leiter nach oben gefallen", so der Onkologe und Molekularbiologe.

"Unbequemer Revoluzzer"

Im Wiener Neustädter Landesklinikum hatte der Primar den Ruf, ein "unbequemer Revoluzzer" zu sein. Er hatte all jene Dinge eingefordert, die ihm bei seinem Engagement zugesagt wurden. Nur so ließe sich ein Krebs-Kompetenzzentrum aufbauen, sagte Köstler. Nachdem die Holding aber Geldmittel und Personal nicht wie vereinbart zur Verfügung stellte, sei es zum Bruch gekommen, verraten Insider.

Gesundheits-Landesrat, Karl Wilfing kann zu der Causa Köstler nichts sagen. "Bei 20.000 Mitarbeitern ist es auszuschließen, dass der Landesrat über jede Personalentscheidung Bescheid weiß", erklärt sein Pressesprecher, Florian Liehr. Auch von der Klinikenholding gab es bis zu Redaktionsschluss keine Stellungnahme. Pikantes Detail: Ausgerechnet der maßgebliche Betreiber eines Onkologie-Zentrums in Wiener Neustadt, der ärztliche Direktor, Paul Hajek, strich fast zeitgleich wie Köstler die Segel. Hajek ist seit Dezember nicht mehr ärztlicher Leiter. Über die Hintergründe wird geschwiegen.

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