Witwe Johanna Wegerer hat juristische Schritte eingeleitet.

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EU-Kampagne
06/02/2016

Nichtraucher auf Schockbild, Witwe verklagt die EU

Ehefrau will verstorbenen Mann auf Zigarettenpackerl erkannt haben und erstattete Anzeige.

von Jürgen Zahrl

"Mein Mann war sein ganzes Leben lang ein Nichtraucher. Und jetzt das", ist Johanna Wegerer aus Waidmannsfeld, Bezirk Wiener Neustadt, im KURIER-Gespräch empört.

Dass sie Fotos ihres 2015 verstorbenen Ehemannes ausgerechnet als abschreckendes Beispiel auf Zigarettenpackungen erkannt haben will, schockiert Wegerer gleich doppelt. Die Witwe klagt nun auf Unterlassung, weil sie davon ausgeht, dass die Abbildung auf illegale Weise in die EU-Antiraucher-Kampagne gerutscht sei. Die EU-Kommission sieht das völlig anderes und spricht bei dieser Darstellung von einem Mann aus Deutschland, dessen Identität aufgrund des Datenschutzes nicht preis gegeben werden könne.

Nicht nur Johanna Wegerer, sondern auch mehr als 130 Ortsbewohner sind der Überzeugung, dass es sich bei dem Mann auf dem betroffenen Schockfoto, das neben anderen Bildern seit Anfang Mai auf allen Zigarettenpackungen in der EU Vorschrift ist, zweifelsfrei um Franz Wegerer handelt. Das bezeugen sie gleichzeitig mittels Unterschrift auf einer Sammelliste. Nach einem mehr als zehn Jahre langem Leidensweg starb der Transportunternehmer Franz Wegerer am 5. Februar 2015 an einem Gehirntumor im Wiener AKH.

Beatmung

Unbestritten ist: Auf dem Schockfoto ist das Gesicht eines Patienten mit geschlossenen Augen zu sehen, dessen Kopf auf einem weißen Kissen liegt; dieser wird über einen Plastikschlauch beatmet. Darunter ist der plakative Vermerk der EU-Kommission zu lesen: "Rauchen verursacht Schlaganfall und Behinderung."

Johanna Wegerer ist empört, weil ihr Mann nie geraucht habe. Sie erkennt ihn auch an der leicht verschobenen Gesichtsmaske, die ihm im Spital angebracht worden sei. "In diesem Zustand habe ich ihn nur im Wiener AKH gesehen", erklärt Wegerer und wirft indirekt dem Spitalspersonal vor, das Foto gemacht und weiter gegeben zu haben. "Das alles ist fürchterlich. Der Leidensweg meines Mannes war für uns alle schlimm. Die ganze Familie will nur zur Ruhe kommen", sagt Wegerer und will dafür kämpfen, damit das Foto ihres verstorbenen Ehegatten aus der Anti-Raucherkampagne genommen wird.

Briefwechsel

Juristisch bekommt sie von der Kanzlei Böhmdorfer-Schender Unterstützung, die mit der EU-Kommission seit Wochen einen Briefwechsel führt. Die zuständige Juristin war jedoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ein Sprecher der EU-Kommission versicherte in der ZIB 2, dass der abgebildete Mann aus Deutschland sei: "Unglücklicherweise schauen sich manche Menschen ähnlich".

Im Wiener AKH weist man die Kritik der Witwe zurück: "Nach Prüfung können wir ausschließen, dass das von der EU verwendete Bild im AKH aufgenommen wurde. Die abgebildete Ausstattung wird bei uns nicht verwendet", erklärt Sprecherin Karin Fehringer in einer Stellungnahme. Auch von Seiten der EU-Kommission liege schriftlich vor, dass sämtliche auf den EU-Bildwarnhinweisen abgelichteten Personen namentlich bekannt seien, deren Einverständnis vorliege und es sich keinesfalls um Franz Wegerer handle.

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