Chronik | Niederösterreich
07.02.2017

Need for Speed: Wirbel um Glasfaser-Ausbau in NÖ

Das Land investiert Millionen in Glasfaser-Kabel. Den Grünen geht alles zu langsam.

Schnelles Internet. Eine der Antworten auf die Frage, wie die Politik der Job-Misere in NÖ begegnen will. Wie berichtet, wird das Land heuer mit durchschnittlich 64.000 Arbeitslosen einen historischen Höchststand erreichen. Durch flächendeckende Glasfaser-Leitungen würden auch periphere Regionen zu potenziell attraktiven Firmenstandorten. Je mehr Unternehmen, umso mehr Jobs, lautet die Maxime. Diskutiert wird nun die Frage, ob die Glasfaser-Struktur rasch genug steht.

Aktuell werkt die eigens gegründete Gesellschaft nöGIG (eine Tochter der Landeswirtschaftsagentur ecoplus, Anm.) daran, vier Pilotregionen – Ybbstal-Eisenstraße, Triestingtal, Waldviertler Stadtland und Thayaland – mit entsprechenden Leitungen auszustatten. Die fertigen Verbindungen sollen dann, so die Idee hinter dem nö. Glasfaser-Modell, von Internet-Betreibern angemietet werden. Die nöGIG jubelt aktuell über mehr als 16 Millionen Euro an Bundesförderung für den Ausbau. In Summe investiert das Land in diesem Jahr 35,5 Millionen Euro. "Damit gelingt es uns, bis 2018 die Pilotregionen flächendeckend mit Glasfaseranschlüssen bis zum Haushalt zu versorgen", sagt ÖVP-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav. Zielvorgabe: Bis 2030 soll es für alle nö. Haushalte und Betriebe flächendeckende Glasfaser-Internetanschlüsse geben.

"Zu langsam"

"Mit Verlaub – das ist zu langsam. Wir brauchen jetzt mehr Speed", sagt die Vorsitzende der nö. Grünen, Helga Krismer. Der Ausbau des Glasfasernetzes sei die Lösung mit dem längsten Zeithorizont. "Das widerspricht dem Programm der Bundesregierung, die schnelles Breitband bis 2020 ausrollen will." Geht es nach Krismer, müsse der Glasfaserausbau bis zum Haus hintangestellt werden. "Jetzt müssen alle modernen Festnetz- und Mobilfunktechnologien genutzt werden."

Die Grünen lassen derzeit online abstimmen, ob sie einen entsprechenden Antrag im Landtag einbringen.

"Wir wissen um die Unverzichtbarkeit des Glasfaserausbaus, daher muss er noch schneller möglich sein. Daran arbeiten wir mit Nachdruck", sagt ecoplus-Chef Helmut Miernicki zum KURIER. Das nö. Breitbandmodell sei ein taugliches Mittel und als solches sogar durch die EU-Kommission ausgezeichnet worden. Zeitgleich mit dem Ausbau der Pilotregionen treffe man Vorbereitungen für den flächendeckenden Glasfaser-Einsatz. "Diesen wollen wir – überall dort wo Bedarf besteht – schneller umsetzen als geplant."

Den Vorschlag der Grünen, auf Funktechnik zu setzen, hält Miernicki für absurd: "Ein funktionierendes Glasfasernetz ist die Grundbedingung damit moderne Mobilfunktechnologien überhaupt funktionieren." Für die nächste Generation brauche es den flächendeckenden Ausbau von Glasfaser.

2016 wurden in NÖ 6100 Haushalte und 400 Betriebe mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet. Bis Ende 2018 soll sich die Zahl der Anschlüsse, die durch nöGIG realisiert werden, mehr als verfünffachen. Dann seien 34.000 Haushalte und Betriebe direkt angebunden.