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Chronik Niederösterreich
12/05/2011

Nacht-Odyssee: Letzter Zug kam nie in St. Pölten an

Sechs Stunden brauchte eine St. Pöltnerin für die Heimfahrt aus Wien. Die Bahn war defekt, Ersatzbus gab es nicht.

von Martin Wimmer

Es gibt leider Situationen, wo auch wir nicht in der Lage sind, sie zur Zufriedenheit der Kunden zu lösen", sagt ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Sonntagnacht war gelinde gesagt so eine Situation. Da hieß es für Dutzende Heimkehrer aus Wien Richtung Westen "Bahn fahren, Schlaf sparen". Die letzte Garnitur "REX 1646" kam nicht über die Einschicht-Station "Purkersdorf Sanatorium" hinaus. Und nur weil Mama den rettenden Individualverkehr anstartete, kam eine 17-Jährige aus St. Pölten überhaupt heim - zur Frühstückszeit.

Als der Zug um 23.50 Uhr am Westbahnhof losfuhr, ahnte noch keiner der Passagiere, dass er seinem Beinamen "Kabarett Simpl" alle Ehre machen würde. Das vorzeitige Aus in Purkersdorf dauerte bis 2.30 Uhr, dann ruckelte die Garnitur langsam nach Hütteldorf zurück. "Wir haben keine Infos bekommen, was los ist und wir durften nicht aussteigen" berichtet das Mädchen. Bis 3.30 Uhr dauerte letztlich die ungewisse Sitzpartie im Waggon. Zwischenzeitlich alarmierte die 17-Jährige per Handy ihre Mutter und die versuchte vergeblich, sich bei der Zugauskunft schlau zu machen.

"Wir wissen selbst nicht, was die Ursache ist und wann es weitergeht, hat es geheißen", berichtet die St. Pöltenerin. "Auf meine Frage, welche Ersatzmöglichkeiten es gibt, hat man mir einen Zug um fünf Uhr Früh vom Franz-Josef-Bahnhof über Tulln und Krems nach St. Pölten angeboten."

Schlaflos

Entnervt ließ Mama daraufhin den gemütlichen TV-Abend daheim platzen und machte sich im Auto auf die rettende Regenfahrt nach Wien. Fazit: Um 5.30 Uhr kamen Mutter und Tochter schließlich daheim an. Die Nacht war schlaflos futsch, in Job und Schule ging es den beiden am Montag dementsprechend flau.

"Ich finde es skandalös, wenn die ÖBB in so einer Situation die Passagiere total im Ungewissen lässt und keinen Schienenersatzverkehr mit Bussen anbietet", empört sich die Mutter.

Busse habe es eh gegeben, sagt Seif. Freilich nur zurück nach Wien-West. "Unser Einsatzleiter hat sich bemüht, Busunternehmer zu erreichen, aber das war um diese Zeit leider vergeblich." Ursache des Stillstands sei eine defekte Sicherungsanlage mit langer Fehlersuche gewesen. Seif: "Wir müssen uns entschuldigen dafür. Vor technischen Defekten ist leider niemand gefeit."