Chronik | Niederösterreich
25.03.2017

Nach Fünffachmord bleibt nur die Ungewissheit

Monate nach der unfassbaren Tat in Schildberg sucht der hinterbliebene Vater immer noch nach Antworten.

Geisterhafte Stille herrscht in der Straße, in der das Unfassbare geschah. Nichts deutet mehr darauf hin, dass in diesem Haus im Ortsteil Schildberg eine Tat ganz Österreich schockte, die man in der Kriminalgeschichte kein zweites Mal findet.

Die 35-jährige Baumarkt-Angestellte Martina R. hat Ende November in einem Haus im niederösterreichischen Böheimkirchen nach und nach ihre gesamte Familie ausgelöscht und sich danach selbst gerichtet. Mutter Mathilde R., 59, der 41-jährige Bruder Peter und ihre drei, wie sich herausgestellt hat, fast wahnhaft behüteten Kinder – alle in ihren Betten erschossen.

Suche nach Motiv

„In der Bevölkerung ist der Fall eigentlich kein Thema mehr. Es sind meist Journalisten, die mich auf das Geschehene ansprechen“, sagt Bürgermeister Johann Hell.
Aber die Frage nach dem Warum beschäftigte die Fahnder um Chefermittler Leopold Etz des Landeskriminalamtes monatelang. Da kein Abschiedsbrief gefunden wurde, konnte die Polizei nur Vermutungen anstellen. Fest steht, dass Mathilde R. an Krebs im Endstadium litt. Sie habe, so heißt es, nur noch wenige Wochen zu leben gehabt. Dazu soll die prekäre finanzielle Situation der Familie gekommen sein. „Die spätere Mörderin hatte Angst, dass durch den Tod der Mutter das Pensionsgeld wegfallen könnte. Auch der Streit um die Kinder hat sie sehr beschäftigt“, berichtet ein Ermittler.

Andreas K., der leibliche Vater von Sebastian, 10, seines um ein Jahr jüngeren Bruders Fabian und deren Schwester Michelle, 7, der von der Täterin getrennt und in schwerem Konflikt lebte, weiß noch immer nicht, wo seine Kinder letzten Endes bestattet wurden.

Eingeäschert

Die Familie bekam kurz nach der Bluttat die Information, dass die Kinder eingeäschert wurden. Was den Aufenthaltsort der Urnen betrifft, hieß es nur, dass sie in Böheimkirchen seien. Dies bestätigt Ortschef Hell im Gespräch mit dem KURIER.

„Unser Informationsstand ist, dass sich der Kurator, der die Verlassenschaft regelt, um diese Dinge kümmert. Wir wurden informiert, dass das Haus in Schildberg geräumt wird. Mein Sohn hofft, nur die Fotos der Kinder zu bekommen, falls noch welche da sind“, schildert der Vater von Andreas K. und Großvater der drei getöteten Kinder.

Was das Motiv für den Fünffachmord betrifft, bekam der Kindsvater bis dato keine Informationen des Staatsanwalts. Der Informationsfluss sei überhaupt sehr dürftig gewesen, beklagt er.