Mit GPS zu Kettensägen-Coups

Schweinebaron schickte Blitzeinbrecher mit Auftragsliste los: Boss der Kettensägen-Bande in St. Pölten vor Gericht.

Selten fiel ein Name am Landesgericht St. Pölten so oft wie am Dienstag „Gabi“. Das ist keine gertenschlanke Schönheit, sondern ein übergewichtiger Schweinezüchter mit Stoppelglatze aus dem ungarischen Celldömölk (Kleinmariazell). Wer hat die Einbrecher rekrutiert? „Gabi“. Wer hat die Tatorte bestimmt und ausgekundschaftet? „Gabi“. Wer hat Benzingeld ausgegeben, GPS-Geräte beigestellt, Mietwagen bezahlt, die Beute übernommen? Auch „Gabi“. Und wer hat die Täter entlohnt? Eh klar, „Gabi“.

Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, der Boss der gefürchteten Kettensägen-Bande gewesen zu sein, die 14-mal Auslagenscheiben oder Eingangstüren von Raiffeisen-Lagerhäusern und Landmaschinenhändlern zertrümmerte, um Motorsägen im Gesamtwert von 130.000 Euro ein zu sacken. Unter anderen in Hainfeld (Bezirk Lilienfeld) ebenso wie in Purgstall (Bezirk Scheibbs), Franzhausen (Bezirk Tulln) und in St. Pölten-Pottenbrunn.

„Ich bin nicht schuldig“ ließ Angeklagter Gabor „Gabi“ B. dolmetschen. Bloß an einem Coup habe er eventuell teilgenommen, ansonsten bloß einem Bekannten „beim Verkauf von Motorsägen helfen“ wollen. Er behauptet, Opfer einer Verschwörung zu sein. Überlegen lächelnd ließ er sich aus dem Gerichtssaal führen, als bereits verurteilte Bandenmitglieder (neun Monate bis drei Jahre Haft) in den Zeugenstand traten.

Gabor B. – wer ist das?“ pirschte sich Richter Markus Grünberger an. „Er ist der Chef“ hörte er. „Der Chef wovon?“ Zeuge: „Er hat uns zusammen gesammelt und dann stehlen geschickt.“ Einer aus der auf „Stihl“-Motorsägen spezialisierten Bande berichtet von großzügigen Angeboten im Gefängnis. „Mir wurde eine Nachricht geschickt, ich soll meine Aussage zurückziehen. Er wird mir Geld schicken.“

Ein Komplize dürfte der Verlockung erlegen sein. Abgesehen davon, dass Roland H. nicht einmal weiß, wann er geboren ist – „keine Ahnung, vielleicht Tausendneunhundertachtzig oder so“ – ließ er den Schöffensenat wissen, dass er verstumme. „Mir nix muss fragen. Keine einzige Antwort. Verstehst Du?“

Auch ohne den Wortkargen schien die Beweislage erdrückend. Der Richter will aber auf Nummer absolut sicher gehen. Ein zusätzlicher Zeuge muss noch her – Urteil vertagt.

( Kurier ) Erstellt am 17.01.2012