© Wammerl Patrick

Prozess
04/13/2021

Millionenbetrug? Traum vom eigenen Haus endete bei der Bodenplatte

„Baumeister“ nach Millionenschaden in Wiener Neustadt wegen schweren Betrugs vor Gericht

von Patrick Wammerl

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden und einem trauten Heim war groß, vom Häuselbauen selbst hatten die Kunden aber wenig Ahnung. Deshalb setzten sie all ihr Vertrauen (und ihr Geld) in Marco W., einen 38-jährigen Gesellschafter einer Baufirma aus dem südlichen Niederösterreich.

Anstelle eines schmucken Einfamilienhauses setzte es für die knapp zehn Kunden allerdings ein böses Erwachen. Statt eines Daches über dem Kopf bekamen sie maximal eine Bodenplatte und ein paar Ziegelreihen darauf. Und das, obwohl ein Großteil des bestellten Hauses bereits im Voraus bezahlt wurde. Danach war Schluss mit lustig. Der 38-Jährige musste am Dienstag wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs am Landesgericht Wiener Neustadt auf der Anklagebank Platz nehmen. Insgesamt soll er die Kunden und ausführende Firmen laut Anklage um mehr als 1,1 Millionen Euro geprellt haben.

Der Angeklagte, der sich nicht schuldig bekennt, hatte nach der Tiefbau-Lehre in einer Werkmeisterschule eine Ausbildung zum ausführenden Baumeister begonnen. Später fungierte er in zwei Baugesellschaften als Geschäftsführer. Ein Betrieb, der in Laxenburg ansässig war, geriet im Mai 2018 erstmals in finanzielle Schieflage. Nach einem zweiten Insolvenzverfahren 2019 wurde die Firma liquidiert. Auf der Strecke blieben zahlreiche Kunden, die für den Bau ihres Wohnhauses viel Geld vorgestreckt hatten.

Perfider Tatplan

Der Staatsanwalt sprach von einem perfiden Tatplan des 38-Jährigen. „Er hatte den Leuten versprochen ihre Einfamilienhäuser zu errichten, hat hohe Anzahlungen in bar kassiert und ist die entsprechenden Leitungen aber schuldig geblieben. Das Geld verwendete er für sich selbst“, so der Ankläger.

Rechtsanwalt Andreas Stranzinger ist Opfervertreter eines Geschwisterpaares, welches dem „Baumeister“ auf den Leim gegangen ist. Die beiden Frauen hatten finanziell alles zusammen gekratzt, um sich den Traum von einem Doppelhaus zu realisieren. Für 207.000 Euro Vorauszahlung sollen sie allerdings nicht mehr als eine Fundamentplatte bekommen haben. Der Schaden laut Sachverständigem beträgt alleine in diesem Fall 150.000 Euro. „Die Frauen müssen die Schulden bezahlen und Haus haben sie auch keines“, spricht Stranzinger von einem Albtraum für seine Mandantinnen.

Sonderwünsche

Belastet wird der Beschuldigte (vertreten durch Rechtsanwalt Lukas Kollmann) neben seinen Kunden auch durch Firmenmitarbeiter, seinem Steuerberater und den Sachverständigen. Er selbst bestreitet den Millionenbetrug vehement. Sämtliche kassierte Gelder seien in die Bauvorhaben geflossen und nicht in seine Privattasche. Demnach konnten die Projekte aufgrund diverser Sonderwünsche nicht fertiggestellt werden, erklärt der 38-Jährige.

Ein Urteil in dem Verfahren ist nach der Ladung zahlreicher Zeugen für Mittwoch geplant.

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