Chronik | Niederösterreich
09.12.2011

Medizin für Tschechen startet

Barrierefreie Gesundheitsversorgung wird Realität: Nächstes Jahr werden tschechische Patienten testweise in Gmünd behandelt.

Es klingt paradox. Obwohl die tschechischen Patienten im Nachbarort Ceske Velenice das Krankenhaus Gmünd in Sichtweite haben, müssen sie aus der Grenzregion 60 Kilometer ins nächste Spital fahren – bei Notfällen vergehen entscheidende Minuten. Damit soll bald Schluss sein. Die EU hat nun die finanzielle Unterstützung zugesagt, um das Projekt „Health across in Practise“ zu starten. Dabei soll die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung nächstes Jahr in der Praxis getestet werden, erklärte Landeshauptmann Erwin Pröll. Der Startschuss fällt Ende Februar im Rahmen einer "Kick-off"-Veranstaltung.

Schon in den vergangenen drei Jahren wurde, wie berichtet, an einer barrierefreien Zusammenarbeit im Bereich der Medizin gearbeitet. Die Umsetzung erweist sich allerdings als schwierig, weil viele Hürden zu überwinden sind. Das größte Problem ist das beträchtliche Kosten- und Lohngefälle. Mehrere Therapien kosten in Österreich bis zu acht Mal mehr als in Tschechien. Auch die Verständigung ist nach wie vor eine große Barriere.

Abläufe

Bei dem dreimonatigen Testlauf im kommenden Jahr, für den vorerst 100 bis 150 tschechische Patienten gezielt ausgewählt werden, sollen alle medizinischen Abläufe von der Erstversorgung im Krankenhaus Gmünd bis zur Verrechnung über die tschechische Krankenkasse durchgespielt werden. "Dabei wird erprobt, welche Bereiche sehr gut funktionieren und wo es noch Nachholbedarf gibt", erklärt Elke Ledl, die Projektplanerin beim NÖ Gesundheitsfonds (NÖGUS). "Wir wollen sehen, wie oft wir im Gmünder Spital einen Dolmetscher brauchen."

Als Grundlage für den Praxistest dient eine Machbarkeitsstudie, die Experten zuletzt ausgearbeitet haben. Darin sind eine sichere Rechtsgrundlage und gemeinsame Qualitätsstandards für Gesundheitsdienstleistungen formuliert. Die Notfallversorgung der Tschechen durch die österreichische Rettung wird erst in einem weiteren Schritt getestet. Dafür fehlt noch eine vertragliche Vereinbarung.