Massenstart ins Wahlkampf-Finale

Erwin Pröll © Bild: Franz Hagl

Tausende bejubelten Erwin Pröll in St. Pölten. SPÖ setzt auf Bezirkstour, Grüne demonstrierten.

Startschuss zum Endspurt hieß es bereits am Donnerstag für die beiden großen Parteien. Während die ÖVP wieder auf die bewährte Masseninszenierung setzte, gab sich die SPÖ zurückhaltend. Die Grünen dagegen suchten überhaupt die direkte Konfrontation auf der Straße.

Noch einmal vor dem 3. März füllte die Volkspartei eine Halle mit knapp 5000 Anhängern. Sie wurden im VAZ St. Pölten für die verbleibenden Wahlkampf-Stunden heiß gemacht. Die Anhänger bekamen einiges geboten: In Videozuspielungen lobten EU-Kommissarin Viviane Reding, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker und Arnold Schwarzenegger Erwin Pröll. Vizekanzler Michael Spindelegger überbrachte Grüße von UNO-General Ban Ki-moon. Moderator Peter Rapp sorgte gemeinsam mit Frenkie Schinkels und Josef Hickersberger für Lachsalven. Dann übernahm Pröll: „Wir haben 360 Stunden Wahlkampf hinter uns. So schwer und so schmutzig war noch kein Wahlkampf vorher. Und keiner war so entscheidend für unser Land.“ Dann bediente sich Pröll argumentativ im Süden: „Schauen wir nach Italien. Ich will keinen Umstand, der zu so einem Zustand in Niederösterreich führt.“ Selbstverständlich war auch Frank Stronach Thema: „Wie will einer dienen, der gar nicht da ist?“ Pröll schwor seine Mitstreiter auf das primäre Wahlziel ein: „Am 3. März brauchen wir wieder Klarheit für NÖ.“

Unterschiede

Ganz anders die SPÖ. „Wir brauchen keinen großen Wahlkampf-Abschluss. Wir setzen auf unsere Bezirksveranstaltungen mit Politik und Musik“, sagte SPÖ-Spitzenkandidat Sepp Leitner am Donnerstag. Der Themenwahlkampf sei gut angekommen, die Stimmung sensationell. Anders als vor fünf Jahren (2008 war Leitner als Parteimanager für den wenig erfolgreichen „Politik mit Herz-Wahlkampf“ verantwortlich, Anm.): „Damals war die Motivation unserer Funktionäre nicht so groß wie heute“, analysierte Leitner. Dass man heuer den Wahlkampf kantiger begonnen hat, habe beigetragen, „dass die Themen der SPÖ wahrgenommen wurden“. Leitner zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass es am Sonntag gelingt, die SPÖ zu stärken und die Absolute der Volkspartei zu knacken.“

'Wir wollen unser Geld zurück': Madeleine Petrovic führte Demo an
Wahl und Demo © Bild: Franz Hagl
Die Grünen nutzten den Donnerstag zum Aufmarsch vor dem ÖVP-Haus in St. Pölten, um auf die Veranlagungen aufmerksam zu machen. „Wir wollen unser Geld zurück“, forderten sie. Beim Parteihaus warteten ÖVP-Funktionäre mit Schlachtgesängen. Keine der beiden Demonstrationen war angemeldet, es hagelte Anzeigen.

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Demokratie ist kein Spielzeug

Die Auseinandersetzung mit Frank Stronach stand am Mittwochabend im Mittelpunkt der großen Abschlussveranstaltung des Personenkomitees für die Wiederwahl von Landeshauptmann Erwin Pröll. „Ich hoffe, dass jene abgestraft werden, die Demokratie als Spielzeug verwenden wollen“, sagte Pröll in Richtung Stronach. „Demokratie ist kein Spielzeug.“ Die Veranstaltung war ganz auf den Landeshauptmann ausgerichtet.

Pröll bezeichnete es als „äußerst bedenklich“, dass Stronach zwar zur Wahl antrete, aber nicht in den Landtag einziehen und am 4. März wieder abfliegen wolle. Außerdem agiere der austro-kanadische Milliardär nach dem Motto: „Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln“, kritisierte Pröll.

Auch die Vorstandsmitglieder der „Initiative Niederösterreich“ zur Wiederwahl Prölls schossen sich auf Stronach ein: „Frank go home. This country ist to big for you, this country is Pröll-country“, sagte Initiativen-Präsident Christian Konrad.

Die Psychoanalytikerin Rotraut Perner – nach eigenen Worten „seit dem elften Lebensjahr sozialistisch organisiert“ – warnte vor amerikanischen Zuständen, wo man sich „Hinterbänkler kauft“. Für sie gibt es „Macher“ wie Pröll und „Käufer im Sinne von Dagobert Duck.

Das positive Klima für die Kultur in NÖ lobten die Schauspieler Konstanze Breitebner, Dietrich Siegl, und Gregor Seberg. Sie würdigten besonders, dass im Land Kunst jeglicher Couleur gefördert werde.

Erstellt am 28.02.2013