Massen-DNA-Test im Fall Kührer?

Bei Julia Kührers Leiche wurden neue DNA-Spuren gefunden. Michael K. fühlt sich entlastet, in Pulkau will man Aufklärung.

Ein neues Gutachten bringt Bewegung in den Fall Julia Kührer: In jenem Haus in Dietmannsdorf im Weinviertel in dem die Leiche der jungen Frau gefunden wurde, sind neue DNA-Spuren sichergestellt worden. Die Spuren, die von im Haus liegenden Zigarettenstummeln stammen, führen zu sechs bisher unbekannten Personen. Während die Staatsanwaltschaft keinen Anlass sieht, den Kreis der Verdächtigen auszuweiten, macht sich der Bürgermeister von Pulkau für einen freiwilligen DNA-Test in seiner Gemeinde stark.

Zigaretten

Grafik Kührer
© Bild: KURIER

„Die Zigarettenstummel wurden im Haus meines Mandanten gefunden. Sie enthalten die vollständige DNA von fünf männlichen und einer weiblichen Person“, zitiert Anwalt Farid Rifaat, der den Hauseigentümer Michael K. vertritt, aus dem Gutachten. Da die DNA weder mit jener von Julia Kührer noch mit jener des Verdächtigen Michael K. übereinstimmt, schlussfolgert Rifaat: „Auch fremde Personen konnten auf dem Grundstück aus und ein gehen. Möglicherweise wurden in dem Keller sogar Feste gefeiert, von denen mein Mandant nichts wusste.“

War der Keller in Dietmannsdorf tatsächlich ein geheimer Jugendtreff, wie Rifaat vermutet? Und zu wem führen die Spuren auf den Zigarettenstummeln? Staatsanwalt Friedrich Köhl misst diesen Fragen keine große Bedeutung bei: „Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen den DNA-Spuren und der Tat. Die Zigaretten könnten von jedem stammen“, sagt Köhl. Für ihn ist das Gutachten lediglich „eine Spur, die im Sand verläuft“.

Ganz anders sieht das Manfred Marihart, Bürgermeister von Pulkau: „Sollte ein freiwilliger DNA-Test in der Gemeinde die kriminalistische Arbeit unterstützen und zur Lösung des Falls beitragen, würde ich mich sofort dafür stark machen.“

Die Gefahr, dass Ortsbewohner, die sich nicht freiwillig am Massen-DNA-Test beteiligen, denunziert würden, sieht Marihart gelassen: „Wo ist das Problem, wenn man nichts zu befürchten hat?“

Weitere DNA-Proben

Das neue Gutachten enthält auch die Ergebnisse weiterer DNA-Analysen: So wurden auch zwei Autos von Michael K. sowie die Wohnung seiner Freundin auf DNA-Spuren untersucht. Das Profil von Julia Kührer wurde dort nicht entdeckt. Auch konnten an der Leiche keine weiteren Spuren von Personen festgestellt werden.

Haarspuren?

Abgeschlossen ist die Spurenauswertung in den beiden Autos aber nicht: Laut einem Ermittler der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Niederösterreich wurden in einem der Autos Haare gefunden. Ob sie von Julia Kührer stammen, muss erst analysiert werden.

Michael K. blieb gegenüber dem KURIER bei seiner bisherigen Darstellung: „Ich habe mit Julia Kührer keinen näheren Kontakt gehabt und sie auch nie im Auto mitgenommen.“ Auf die Frage, von wem die DNA-Spuren im seinem Haus stammen könnten, verweist K. auf die „Jugendlichen in Pulkau, die dort Partys gefeiert haben könnten. Die sollte sich die Polizei einmal genauer anschauen“.

Für die Staatsanwaltschaft Korneuburg bleibt Michael K. trotz des Gutachtens weiter tatverdächtig. Zu einer Anklage wird es laut Staatsanwalt Köhl aber nur kommen, wenn die Todesursache geklärt ist. Die entsprechenden Gutachten sind noch immer ausständig.

( Kurier ) Erstellt am 21.12.2011