Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Marathon-Radler: "Abgehoben von dieser Erde"

91 Jahre und kein bisschen tattrig: Wolfgang Schrom aus St. Pölten war der wahre Held beim Wachau-Radmarathon.

Das ist der Wille", sagt Wolfgang Schrom. "Den haben alle, aber die meisten nutzen ihn nicht." Natürlich hätten ihn teuflische Schmerzen geplagt und einmal sei er sogar abgestiegen, was er normalerweise nie tut, "um eine Reserve zu haben". Auch sei er "praktisch nur mit dem linken Bein gefahren", weil das rechte durch ein Borreliose-Leiden oft nicht ganz mitmache. Aber das könne ihn nicht bremsen. "Ich bin von dieser Erde abgehoben. Alles, was ich tue, ist nicht physisch, sondern metaphysisch."

Der 91-Jährige aus St. Pölten ist ein sportlicher Extremfall, ein mentales Wunder sowieso. 1400 Biker trotzten am Sonntag beim Raiffeisen-Power-Radmarathon Gegenwind und 30 Grad, doch neben den Siegern gab es einen wahren Helden. Wolfgang Schrom - der älteste Starter. Er klopfte die 97 Kilometer in vier Stunden und 46 Minuten herunter. "Besonders herausstechen" konnte er damit, vermeldet sport.land N. Jetzt trägt er das gelbe Trikot von Landeshauptmann Erwin Pröll und wird es wohl nicht so schnell ausziehen.

Hobby wäre weit tiefgestapelt für das, was der ehemalige Autobahnbauer im Landesdienst tut. "Ich habe eine Leidenschaft zum Fahrrad. Das ist mein Leben." Überall in seiner kleinen Wohnung liegen Radl-Utensilien, im Keller stehen Mountainbike und Rennmaschine. "Ich hatte einen Karbon-Rahmen, aber mit dem war ich nicht zufrieden. Da bin ich auf Alu-Magnesium umgestiegen und hab' es selbst bestückt."

18.000 Kilometer

Wo andere in seinem Alter, wenn sie überhaupt die eigenen vier Wände verlassen, das Auto anstarten, schwingt sich Herr Schrom auf den Sattel. "Ich mach' so 15.000 bis 18.000 Kilometer im Jahr." Angetrieben vom Lösgelöstsein. "Das Schöne daran ist, dass man mühelos durch die Gegend fährt, abgehoben von jedem Materialismus." Auch im Winter, wenn der Schnee nicht knöcheltief liegt.

Nächstes Jahr werde er den Radmarathon wieder fahren, kündigt Schrom an, heuer noch den "Granitbeißer" in Bärnkopf. Und jetzt? "Fahr' ich meine Hausrunde." 60 Kilometer durch den Bezirk St. Pölten. Halt, heute nicht, er muss nämlich ein Fertigteilhaus besichtigen, fällt ihm ein. "Ich kauf' mir ein Grundstück an der Thaya, dort hab' ich meine Jugend verbracht, und bau' mir was hin."