Mankers Irrfahrt war "Missgeschick"

Paulus Manker mit der Lok © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Exzentrischer Regisseur reagiert auf die Anzeige und die polizeilichen Ermittlungen.

Keine Amokfahrt mit der Lok, sondern ein Missgeschick bei Dunkelheit: So rechtfertigt sich Künstler Paulus Manker für das "Hoppala", welches ihm im Raxwerk in Wiener Neustadt vor einigen Tagen widerfahren ist. Das Enfant terrible der heimischen Kunstszene hat bei einem Unfall mit einer Rangierlok erheblichen Sachschaden angerichtet.

Wie vom KURIER aufgedeckt, ermitteln in der Causa Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei nach einer Anzeige des Halleneigners Christian Blazek. Manker hatte 2014 und 2015 in der Serbenhalle das Theaterstück "Alma" inszeniert und dafür auch eine historische Zuggarnitur benötigt. Nach einem Zerwürfnis mit dem Hallenbesitzer sollte Manker die Halle längst räumen, was er bisher aber nicht tat. Blazek drehte daraufhin den Strom ab, wurde im Zuge einer Besitzstörungsverhandlung Ende Oktober jedoch dazu verpflichtet, diesen wieder einzuschalten.

"Am Sonntag unternahm Herr Manker einen Kontrollbesuch in den Hallen, um festzustellen, ob gemäß des Gerichtsbeschlusses der Strom wieder eingeschaltet worden war", erklärt am Freitag sein Anwalt Dieter Ortner. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. In der Folge nahm der Regisseur in der Finsternis die Eisenbahn in Betrieb, donnerte durch ein Einfahrtstor und touchierte mit der Lok mehrere Europaletten voll mit Spezial-Kunststoff der eingemieteten Firma "Sabic". Der Betrieb spricht nun sogar von einem Produktionsengpass.

Die Lok soll sogar aus den Schienen gesprungen sein. Für Manker halb so schlimm, Anwalt Ortner spricht von einem "offenkundigen Missgeschick". "Ich besitze selbstverständlich eine Triebfahrzeugführer-Prüfung für die Lok und war daher zur Inbetriebnahme berechtigt", rechtfertigt sich der Künstler. Laut seinem Anwalt habe er den Schaden umgehend gemeldet. "Bei der Anzeige von Herrn Blazek handelt es sich um eine reine Retourkutsche für zwei verlorene Besitzstörungsklagen gegen ihn und eine anhängige Schadenersatzklage", sagt der Regisseur. Ortner habe auf Auftrag von Manker nun die nächste Klage wegen Rufschädigung gegen Blazek eingebracht.

Enttäuschter Förderer

Dieser bereut zutiefst, dass er als Kunstmäzen seine Halle kostenlos für Mankers Aufführungen zur Verfügung gestellt hat. "Es gab zahlreiche Vorfälle mit ihm, irgendwann ist es aber genug", erklärt der Unternehmer.

Auch andere Beteiligte berichten von massiven Problemen mit dem exzentrischen Schauspieler, der mit einem Privatkonkurs jüngst in ein finanzielles Schlamassel schlitterte.

Eigentümer der besagten Unfall-Lok ist nicht Manker, sondern das Eisenbahnmuseum Schwechat. "Wir haben die Lok und fünf Waggons für die Aufführung von Alma 2014 an Mankers Verein Kulturaktiv vermietet und mit einem Tieflader nach Wiener Neustadt gebracht. Wir bekommen aber weder die Miete, noch die Eisenbahngarnitur zurück", erklärt der Direktor des Eisenbahnmuseums, Franz Kamper. Geld und Herausgabe der Bahn wurden mittlerweile eingeklagt, der Streitwert beträgt mittlerweile 45.779 Euro. Kamper spricht dabei von Ungeheuerlichkeiten des Regisseurs: "Wir haben von ihm Mietrechnungen bekommen, weil unsere Bahn auf seinem Gelände steht. Für den Fall, dass wir nicht bezahlen, würden die Fahrzeuge in sein Eigentum übergehen. Das muss man sich einmal vorstellen!", ärgert sich Kamper.

Theater

Manker und sein Rechtsanwalt kämpfen weiterhin um die Einhaltung der mit Blazek getroffenen Vereinbarung, Alma und das Stück "Die letzten Tage der Menschheit" bis 2018 in der Serbenhalle aufführen zu dürfen. Bis dato kassierte der Regisseur auch stattliche Fördergelder für das Theater.

( kurier.at ) Erstellt am 07.11.2015