Chronik | Niederösterreich
09.01.2012

Manager auf Anklagebank

Prozess: Ein Manager soll technische Werkseinrichtgung zu Preisen geliefert haben, die „völlig absurd und überzogen“ gewesen seien.

In ungewohnter Rolle fanden sich Montag zwei Firmen-Geschäftsführer aus dem Bezirk Melk auf der Anklagebank am Landesgericht St. Pölten: Einer soll dem anderen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, technische Werkseinrichtgung zu Preisen geliefert haben, die laut Gerichtsgutachter „völlig absurd und überzogen“ gewesen seien. Schaden: 143.500 Euro. Vermutet wird, dass die als Oldtimersammler befreundeten Manager zusammengespielt haben, um sich zu bereichern. Untreue nennt das die Justiz.

Beispiel: Eine neue Absauganlage, für die üblicherweise zwei Wochen Arbeitszeit anfallen, sei mit 19 Wochen abgerechnet worden. Zahlungsanweisungen seien „unüblich, unverständlich und geradezu naiv“ erfolgt, urteilt der Sachverständige.

Prototypen

„Für all diese Projekte hat es ein Budget gegeben und es hat sich teilweise um Prototypen gehandelt, die erst konstruiert werden mussten“, verteidigen sich die Angeklagten. Außerdem habe es während des Maschinen-Aufbaues „zahlreiche Änderungen gegeben“. Beide bekennen sich nicht schuldig und argumentieren, der Gutachter habe nur den fertigen Zustand beurteilt.

Aufgedeckt hat die Causa ein Wirtschaftsprüfer. In der belieferten Firma war die Belegschaft in Aufruhr, da durch Automatisation der Produktion Personal eingespart werden sollte. Der Prozess wurde zur Vorlage neuer Entlastungsbeweise vertagt.