Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Majestät brauchen Sonne

Historische Reben: In Schönbrunn wird Tradition wiederbelebt. Vier Winzer legten den Weingarten Liesenpfennig wieder an.

Geometrisch angelegte Alleen, zurechtgestutzte Sträucher, ordentlich angeordnete Blumenornamente und akkurat geschnittener Rasen. Dass im Barockgarten Schönbrunn aber ursprünglich auch ein Weingarten wuchern durfte, ist weniger bekannt. "Liesenpfennig" hieß die Riede auf dem Areal der heutigen Orangerie, auf der bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Weinbau betrieben wurde.

Jetzt wird diese Tradition wiederbelebt: Die umtriebige Winzergruppe "WienWein", die schon den "Gemischten Satz" zur Marke hochstilisierte, legt seit gestern den historischen Weingarten wieder an. Die Betriebsgesellschaft von Schloss Schönbrunn und die für den Park zuständigen Bundesgärten unterstützen das Projekt. Schließlich geht's nicht nur um Traditionspflege, sondern auch um eine weitere Attraktion für die Gäste (allein 2,6 Millionen Zahlende besuchen jährlich das Schloss, geschätzte 7 Millionen den Park).

Habsburger

Dass Weinbau im Park der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburg-Kaiser betrieben wurde, ist historisch belegbar. So finden sich im Klosterneuburger Stiftsarchiv Unterlagen, dass sich die Rieden zwischen dem Wienfluss und der heutigen Nordfassade der Schloss-Nebengebäude erstreckten. Die Ried hieß laut Grundbuch von 1428-'58 "In der obern Rein zum closter", dann wechselte der Name zu "Ober Rein Liesen Pfennig negst dem thiergarten", in den späteren Grundbüchern wird die Ried schließlich als " Liesenpfennig" bezeichnet.

Der neue Weingarten wird den Namen und die Sorten (weiße in bunter Mischung, also ein echter "Wiener Gemischter Satz") beibehalten, eine Fläche von 1000 m² umfassen und nahe dem Meidlinger Tor gepflanzt. Am Montag setzten Politiker und Promis, darunter Wiens Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank, die Minister Johannes Hahn und Reinhold Mitterlehner, Dompfarrer Toni Faber, Schauspieler Peter Simonischek und Operettendiva Birgit Sarata die ersten Reben.

Erntezeit

Die erste Ernte wird für das Jahr 2011 erwartet. Die Gärtner der Bundesgärten kümmern sich um die Stöcke, vinifiziert werden die Trauben im nahe gelegenen Weingut von Richard Zahel. Der erwartet sich einen Ertrag von rund 500 Flaschen. Aus Erfahrung, die er gar auf Schönbrunner Grund gesammelt hat: Zahel betreibt seit vier Jahren einen 40 m² großen Weingarten direkt vor dem Haupteingang zum Schloss - als erster Versuch, auch um das Interesse der Parkbesucher auszuloten.

Wem die Schönbrunner Bouteillen schließlich gehören werden, steht übrigens noch nicht fest. "Voraussichtlich werden die Flaschen für einen besonderen Zweck versteigert oder an Personen übergeben, die den Wiener Wein besonders fördern", so WienWein-Winzer Rainer Christ. "Entschieden ist noch nichts."

Wiener Wein: Sogar mitten in der Stadt

Anbaugebiete - 342 Weinhauer (Hobbywinzer miteingerechnet) gibt es in Wien. Sie bewirtschaften in rund 400.000 Arbeitsstunden im Jahr 678,3 Hektar. Das entspricht einer Fläche, die etwas größer als der Prater oder eine Spur kleiner als der Bezirk Landstraße ist. In Döbling und Floridsdorf liegen 86 Prozent aller Weingärten, der Rest verteilt sich auf Liesing, Favoriten, Hernals und Ottakring. Der kleinste Weingarten liegt in der Stadt, auf dem Schwarzenbergplatz.

Sorten - Der Weißwein dominiert in Wien mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent. Die Hitliste der Weißen führt nach wie vor der Grüne Veltliner an (33 Prozent), gefolgt vom Rheinriesling (17 %), dem Weißburgunder (10,5 %), dem Gemischten Satz (9,3 %) und dem Chardonnay (9 %). Bei den Roten hat der Blaue Zweigelt die Nase vorn (41, 5 %), Blauer Burgunder (11,7 %) und Cabernet Sauvignon (9,4%) folgen dahinter.

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