Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Lärmhölle Steinhäusl: "Noch nicht geheilt"

Der neun Millionen Euro teure Lärmschutz ist fertig, die Anrainer sind nicht ganz glücklich. Ihr Wunsch: Tempo 80.

Es ist besser geworden, aber wir haben uns mehr von den Wänden erwartet", sagt Josef Gutenthaler und schaut auf den Mega-Lärmschutz beim Knoten Steinhäusl. Erst vor Kurzem ist das Bauwerk fertig gestellt worden. Wenige Meter oberhalb der Autobahn - wo die A21 in die A1 mündet - wohnt Gutenthaler. Die Wände sollen ihn und die anderen 800 Anrainer schützen. Die Halbierung des Lärms wurde angestrebt. Dafür investierte die ASFiNAG neun Millionen Euro. Hat's funktioniert?

Dass manche Häuser auch nach Fertigstellung des Lärmschutzes geringfügig über den Grenzwerten liegen werden, hat die ASFiNAG bereits im Sommer wissen lassen. Wie es wirklich aussieht, werden allerdings erst Messungen zeigen. Noch haben sie nicht stattgefunden. Vor Baubeginn hat es Objekte gegeben, wo der Lärm für die Bewohner gesundheitsgefährdend war. "Es ist gewährleistet, dass das nicht mehr so ist", sagt Karl Zeilinger, Lärmschutz-Projektleiter bei der ASFiNAG.

Ein Anrainer von Steinhäusl und altbekannter Vorkämpfer für den Lärmschutz, Erwin Gomsi, hat sein Messgerät bereits gezückt und war an den verschiedensten Punkten unterwegs. "Die Tageswerte werden im Großen und Ganzen eingehalten", sagt Gomsi. "Die Nachtwerte sind weit entfernt." Man habe eben jetzt eine Sparvariante - eine Einhausung wurde aus Kostengründen ad acta gelegt. Er zieht einen medizinischen Vergleich: "Wenn wir uns ein Medikament kaufen, und es haben sich die Symptome gebessert, hat es sich gelohnt. Aber geheilt sind wir noch nicht."

Tempo-Bremse

Der Verkehr rauscht Samstagnachmittag im Hintergrund. "Früher hat man im Garten nicht miteinander reden können", erklärt Anrainer Erich Kraft. "Wir sind entlastet", sagt eine andere Familie. Aber: Noch besser sei es gewesen als im Zuge der Baustelle Tempo 80 galt. Eine Geschwindigkeitsreduktion ist eine alte Forderung gewesen, noch bevor von Lärmschutzwänden die Rede war. Jetzt sind wieder 100 km/h erlaubt. "80 würde lärmtechnisch nicht der große Wurf sein", erklärt Zeilinger von der ASFiNAG.

Altlengbachs Bürgermeister Wolfgang Luftensteiner ist zufrieden mit den Wänden. Für sie hat er jahrelang gekämpft. Doch mit einer Temporeduktion könnte auch er etwas anfangen - oder mit einer Verlängerung der 100er-Zone. Eine Chance dafür sieht er mit der neuen Raststation samt Tankstelle, die gerade im Bereich des Knotens errichtet wird. Durch die Baustelle fehlt in diesem Abschnitt übrigens noch ein Stückchen Lärmschutzwand in Fahrtrichtung Wien. Was die Siedlungen südlich der Autobahn zu hören bekommen.

Fortsetzung

Gomsi behält indessen die Situation am Knoten Steinhäusl im Auge und dabei fallen ihm die Raser auf. Denn das Problem sieht der Aktivist vor allem in Geschwindigkeitsübertretungen. "Es ist alles Augenauswischerei, solang die Tempolimits nicht eingehalten werden. Es fahren alle schneller als erlaubt." Was wiederum mehr Lärmbelastung bedeutet. Es gibt allerdings ein Radar, das auch immer wieder blitzt. Gomsi will weiter für eine Verbesserung kämpfen. Auf Unterstützung hofft er nicht. "Ich bin bereit, die Arbeit der Politiker weiterzumachen."