Chronik | Niederösterreich
30.09.2017

Lärmgeplagte Bürger atmen auf

Umfahrung B123 geht nächste Woche in Betrieb / Lösung um neue Donaubrücke in Sicht.

Vor den höchsten Gerichten umkämpft wie kaum ein zweites Straßenstück in Niederösterreich, wird nächste Woche eine " Umfahrung mit Geschichte" für den Verkehr freigegeben. Gut 1000 Einwohner der Ortschaften Windpassing und Pyburg im Enns-Donauwinkel im Bezirk Amstetten dürfen sich nach mehr als 25-jährigem Kampf ab Mittwochnachmittag über die Befreiung von einer täglichen Verkehrsbelastung von 15.000 bis 20.000 Fahrzeugen freuen.

Angesichts der täglichen Staus kann die 2,3 Kilometer lange Umfahrung der Mauthausener Bundesstraße, B123, zwei Monate früher als geplant in Betrieb genommen werden, gab Landesverkehrsreferent Ludwig Schleritzko, ÖVP, gestern bekannt. Die Strecke, auf der Pendler- und Schwerverkehr aus dem oberösterreichischen Mühlviertel und auch aus Tschechien zur Westautobahn führt, ist unter der Woche ein täglicher Verkehrs-Hotspot.

"Für die Bewohner geht natürlich ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Jetzt kann es mit dem Rückbau der frei werdenden Straße nicht schnell genug gehen", berichtet der Ennsdorfer Bürgermeister Alfred Buchberger, SPÖ. Gemeinsam mit der Nachbarkommune St. Pantaleon, zu der Pyburg gehört, werde man das alte B123-Stück vom Land übernehmen. Schritt für Schritt und in Abstimmung mit den Anrainern soll es verkehrsberuhigt werden.

Die Landesverkehrsplaner schätzen, dass 80 Prozent des jetzigen Verkehrs aus den Orten verschwinden wird. In der Vorwoche habe man in einer Bürgerversammlung die weitere Vorgangsweise ausgelotet. Mit der Übernahme beschäftigt seien die Gemeinden schon seit dem Mai des Vorjahres, berichtet Buchberger.

Einsprüche

Mit der Fertigstellung der 14 Millionen teuren und durch zahlreiche Einsprüche von Grundbesitzern über viele Jahre blockierten Umfahrung werden die unmittelbar betroffenen Anrainer massiv entlastet. Dennoch baumelt über der gesamten Verkehrssituation der Region weiterhin ein Damoklesschwert. Die tagtäglichen Staus, die das Nadelöhr der überalterten Mauthausener Donaubrücke (Baujahr 1961) verschuldet, sind nicht in den Griff zu bekommen.

Die Länder OÖ und NÖ konnten sich bislang nicht auf einen Neubau einigen. Vor zwei Jahren verkündeten zwar die damaligen Landeshauptleute Erwin Pröll und Josef Pühringer (beide ÖVP) eine grundsätzliche Einigung und die Kostenteilung für das 60 Millionen-Euro-Projekt. Doch zu einer gemeinsamen Variante, direkt am Standort oder weiter östlich, konnte man sich nicht durchringen. "Es wird intensiv gearbeitet. Eine Lösung soll bis Ende des Jahres präsentiert werden", wird aus dem Büro Schleritzko versichert.

Vorerst steht im nächsten Sommer eine 13-wöchige Sanierung der alten Brücke an. Dazu muss sie an Wochenenden und auch oft in den Nächten gesperrt werden.