Kuschelige Bergfreunde mit langen Wimpern

Lamatrekking in Osttirol: Mit vermeintlichen "Spuckern" und dem "Lama-Peter" auf tierischer Wanderschaft. KURIER.at hat's getestet.

Hat dich eines angespuckt?" Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage in den vergangenen Wochen beantworten musste. Der Grund: Ich war Lamatrekking. Zwar nicht in Südamerika, wo die Lamas herkommen, dafür aber im landschaftlich mindestens genauso reizvollen Osttirol. Und um das Vorurteil, dem sich die armen Kamel-ähnlichen Tierchen so oft stellen müssen gleich zu entkräften: Nein, mich hat keines angespuckt. Tatsächlich tun das gut erzogene Lamas auch nicht.

"Lamas bespucken Menschen nur, wenn sie im ersten Lebensjahr 'zu viel Mensch' gehabt haben - sie halten dann unsereins für ihresgleichen. Sobald sie schließlich geschlechtsreif sind, sehen sie im Menschen einen Konkurrenten der auch um ihre Lamastuten buhlt - der wird dann angespuckt. Sonst spucken sich Lamas nur gegenseitig an, um Fragen der Hierarchie zu klären. Unsere Lamahengste sind sprichwörtlich 'clean' und innerhalb kürzester Zeit ist die Scheu vor den vermeintlichen Spuckern abgelegt", erzählt Karl-Peter Schneeberger. Der Osttiroler ist seit sieben Jahren auf dem Lama-Trip.

Auto oder Lamas?

Dazu gekommen ist er beinahe schicksalhaft. Vor dem Fernseher eingeschlafen wachte Schneeberger seinerzeit genau zu einer Dokumentation über die Paarhufer auf. Davon begeistert stellte er seine Frau vor die Entscheidung: "Entweder wir kaufen uns ein neues Auto - oder probieren es mit Lama-Trekking." Die Wahl war schnell getroffen, zumal Schneeberger auch seinen Indoor-Büro-Job gegen etwas Neues tauschen wollte.

"Anfangs hat niemand meine Idee, in Oberlienz Lamatrekking zu veranstalten, ernst genommen. Jetzt bin ich aber oft schon wochenlang im Voraus ausgebucht und die anderen sagen zu mir: 'Du hast es gut, du gehst wandern, wir müssen arbeiten'", lacht Schneeberger, der gerne "Lama-Peter" genannt wird.

Lamas aus Österreich

Mittlerweile hat der geprüfte Bergwanderführer elf Lamas, im Herbst kommen noch drei weiße (eine Besonderheit) dazu. Professionelles Lamatrekking wird in Österreich dreimal angeboten, Züchter gibt es hingegen mehrere. So sind Schneebergers Lamas bereits alle Österreicher - vom Steirer bis zum Niederösterreicher ist fast jedes Bundesland vertreten.

Im Trekking-Angebot gibt es von leichten Schnuppertouren ab 2 1/2 Stunden bis zur achttägigen Weitwanderung nach Innsbruck für jeden das Passende. "Entschleunigung der Lebensgeschwindigkeit", so lautet Schneebergers Motto. Teilnehmen können Erwachsene ebenso wie Kinder ab etwa fünf bis sechs Jahren. Gerade in den Ferien bietet sich das Gehen mit den Lamas an, denn mit dem zotteligen Tier an der Seite wird auch die fadeste Wanderung cool.

Warum mit Lamas wandern?

Was hat es eigentlich für einen "Sinn" mit Lamas zu wandern? Zum einen der offensichtliche - der Rucksack muss nicht selbst geschleppt werden, sondern wird auf den Tragsattel des Tieres geschnallt. Bis zu 20 Kilo schaffen die Lamas ohne Probleme.

Und zum anderen: "Lamas beißen nicht, schlagen nicht aus wie Pferde oder Esel. Die großen Lamaaugen mit den langen Wimpern, das kuschelige Fell und das ruhige Wesen der Lamas, helfen Ängste zu überwinden, vermitteln Selbstbewusstsein sowie Selbstsicherheit und Lebensfreude", erklärt Schneeberger und gibt gleich ein südamerikanisches Sprichwort zum Besten: "Blicke keinem Lama zu tief in die Augen, sonst verliebst du dich".

Tierische "Psychiater"

Sehr typisch für Lamas ist ihr brummendes "Mmmhh", welches sie zur ständigen Kommunikation untereinander gebrauchen. Für den menschlichen Begleiter hat es hingegen einen fast therapeutischen "Zweck". "Ich erlebe immer wieder, dass die Trekking-Teilnehmer vor allem bei langen Wanderungen den Lamas ihre Sorgen erzählen. Wenn das Lama dann ständig 'Mmmhh' macht, fühlt man sich gleich verstanden", schmunzelt Schneeberger.

(KURIER.at) Erstellt am
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