Chronik | Niederösterreich
04.04.2012

Kunsthalle Krems - WUNDER sprengen Grenzen

Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems begibt sich – über Zeiten und Disziplinen hinweg – auf die Spur des Wunders.

WUNDER ist ein Begriff, der die Grenzen sprengt – dieses explosive Potenzial macht sich die Ausstellung zunutze. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, beschäftigt sich die Schau mit  hänomenen des Unbegreiflichen, die in unserer scheinbar entzauberten Welt aus dem Rahmen der abendländischen Rationalität fallen. Unerklärliche Heilungen und unglaubliche Naturschauspiele ebenso wie das wundersame Fremde, die unverhoffte technische Innovation oder der magische Moment werden zum Thema des zwischen Zweifel und Beweis schwankenden Dialogs, der über die präsentierten Kunstwerke und kulturwissenschaftlichen
Objekte eröffnet wird.

Exponate aus allen gesellschaftlichen Bereichen zeichnen nach, wie die Verbindung von christlicher Religion und antiker Naturphilosophie unsere Vorstellung des Wunders geprägt hat. Dieses wird kenntlich als Öffnung in der Welt, aus der Wissenschaft und Kunst hervorgegangen sind. Während Erstere in ihrem Bestreben eher zweck- und zielorientiert ist, zeichnet sich die Kunst durch einen ungleich größeren Freiheitsgrad aus. Unsere gewohnten Sehweisen herausfordernd, verleiht sie den Sprüngen in unserem rationalen Gefüge stets neue Gestalt, stellt jedoch auch den utopischen Kern von Wundern zur Diskussion.

Rituale

In gesellschaftlichen und religiösen Ritualen offenbart sich die utopische Kraft von Wundern vor allem darin, dass es als metarationales Elementmit der Macht ausgestattet ist, einzelne Individuen über die Ausrichtung an einem gemeinsamen Ziel zu Kollektiven zu bündeln. Begreift man Wunder als soziale Phänomene, stellen sich automatisch Fragen nach Individualität und Gemeinschaft, politischer Verantwortung und religiöser Überzeugung, die von den ausgestellten Werken ausgelotet werden.

Mit rund 50 künstlerischen Positionen (von Yoko Ono bis Erwin Wurm) und ebenso vielen Exponaten aus Religion, Wissenschaft und Alltag (Wunderwaffe V2, Votivbilder, Geisterhände, Seligsprechungsakten, Perpetuum Mobile, Goethes Zauberkasten, Heiligenskulptur, Reliquien, Harry Potters Zauberstäbe,Hermann Maiers Skiausrüstung bei seinem Sturz in Nagano etc.) setzt sich die Ausstellung mit dem Wunder ästhetisch wie intellektuell auseinander.

Es werden Grundkategorien unserer Vorstellung von Realität thematisiert und unsere fragile Fähigkeit zur Sinngebung – nicht zuletzt auch über die Einbeziehung differenter kultureller  Sichtweisen, die die Grenzen des abendländischen Selbstverständnisses aufzeigen – zur Diskussion gestellt.
Begleitend zur Ausstellung gibt es eine Podiumsdiskussion (20. April) sowie eine Lesung mit Dorothee Hartinger und Markus Hering (11. Mai).

Noch mehr Kultur auf der Kunstmeile Krems

Forum Frohner
Im blauen Dunst. Tabak in der Kunst. 13. Mai–7. Oktober 2012
Kunstraum Stein
Dan Perjovschi. Between Lines. Bis 3. März 2013
Factory der Kunsthalle Krems
Michael Strasser. Sites of desire. Bis 24. Juni 2012

INFO:
WUNDER. Kunst, Wissenschaft und Religion vom 4. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Kunsthalle Krems, Franz Zeller Platz 3, 3500 Krems a.d. Donau
Bis 1. Juli 2012, tägl. 10 bis 18 Uhr; Führungen: sonn- u. feiertags 14 Uhr sowie auf Anfrage.
Eintritt: Erwachsene € 10,– p. P. (erm. € 9,–); Gruppen (ab 20 P.) € 8,– p.P.
Familien (2 Erw., max. 4 Kinder bis 18 J.): € 18– (mit NÖ Familienpass: € 16,–); Kinder unter 6 J. frei!
0 2732/90 80 10 oder office@kunsthalle.at
www.kunsthalle.at

Weiterführende Links