Chronik | Niederösterreich
03.09.2013

Todesschüsse im Supermarkt als Filmstoff

Regisseur verspricht respektvolle Arbeit

Die Tragödie um einen 14-jährigen Buben, der am 5. August 2009 während seines Einbruchs in einen Supermarkt von einem Polizisten erschossen wurde, hat den Kremser Stadtteil Lerchenfeld damals ins Blickfeld gerückt. Nun plant Regisseur Stephan Richter, das Drama zu verfilmen. In Krems geht daher die Sorge um, dass der Film die Kluft zwischen Jugendlichen und der Polizei neu aufreißen könnte.

„Wenn ein Vorfall derart viel Aufmerksamkeit erregt hat, muss man damit rechnen, dass er verfilmt wird. Ich hoffe nur, dass das sachlich und möglichst wenig reißerisch passiert“, sagt der Kremser Bürgermeister Reinhard Resch.

Der Kremser Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky fürchtet, dass durch den Film seelische Wunden wieder aufgerissen werden. Er bezieht sich auf beide Seiten. „Der Vorfall hat in Krems stark polarisiert und für große Verunsicherung der Polizeibeamtenschaft gesorgt, die bis heute nicht abgeklungen ist“, sagt er.

„Wir waren da“ ist der Titel des Filmprojekts, das unter anderem vom österreichischen Filminstitut, dem Kunstministerium und dem ORF unterstützt wird. Der international bekannte Schauspieler Andreas Lust, er trat auch in der Serie „Schnell ermittelt“ auf, soll den Polizisten spielen, der die tödlichen Schüsse abgab.

Dreh

Ab wann und ob auch am Originalschauplatz in Krems gedreht wird, ist derzeit noch offen. Auch die Finanzierung ist noch offen, sagt Regisseur Richter, der allerdings vor Ort recherchiert hat.

„Bis heute scheint der Fall eine tiefe Kluft zwischenösterreichische Jugendlichen und Polizei gerissen zu haben“, erklären Richter und die Produktionsfirma „Golden Girls“. Der öffentliche Umgang mit dem Vorfall sei durch Medien stark polarisiert worden, ohne Rücksichtnahme auf die wirklichen Beweggründe für das Fehlverhalten der Polizisten und Jugendlichen. „Dass in diesem frühen Stadium Kritik am Filmprojekt geübt wird, halten wir für voreilig, da der Film die Motive der Polizeibeamten genauso sensibel behandeln wird wie die der Jugendlichen. Wir bemühen uns um einen respektvollen Umgang.“