Chronik | Niederösterreich
02.03.2013

Verfaulte Eier und Fruchtfliegen fürs Labor

Pferdefleisch ist den Grenztierärzten bisher nicht untergekommen. Dafür übel riechende Überraschungen.

Pferdefleisch hat man auf dem Flughafen in Wien-Schwechat schon lange nicht mehr gesehen. Hier landet eher Thunfisch aus Sri Lanka und den Malediven oder Lamm aus Australien. Oft aber auch Labormäuse oder Fruchtfliegen für die Forschung. Oder Jagdtrophäen aus Afrika und lebende Falken aus Dubai. Manchmal auch Hunde und Katzen – so wie Kater Cookie, der monatelang in Quarantäne verbringen musste, dann aber wieder Tierisches, das nicht so leicht zu identifizieren ist.

Neun Tierärzte – die gleichzeitig Lebensmittel-Inspektoren sind – arbeiten auf dem Areal des Flughafens Schwechat. Und in ihren Händen landet alles, was entweder der Zoll bei der Einfuhr beanstandet oder im Rahmen von Stichproben anfällt. Im vergangenen Jahr waren das an den Flughäfen Schwechat und Linz immerhin 2080 Sendungen, 161 davon waren Lebensmittel.

Säge statt Mikroskop

In den Kontroll-Gebäuden sucht man vergeblich nach einem Mikroskop. Stattdessen wird hier mit Sägen, Temperatur- und Distanzmessgeräten oder Mikrowellen gearbeitet. Letzteres zum Auftauen von Tiefkühl-Ware.

Auf dem Tisch von Tierarzt Hans Treppo landet diesmal ein übel riechender, durchsichtiger Plastiksack. „Schaut nicht besonders hygienisch aus“, sagt er. Insgesamt 200 Kilo getrocknete Shrimps wurden aus Nigeria geschickt. Bei einer oberflächlichen Kontrolle stellt sich heraus: Die Meeresfrüchte sind mit Steinen und Sand verunreinigt. Wer da hineinbeißt, bekommt das Knirschen im Mund gratis dazu. „Der Identitätsnachweis fehlt überhaupt.“ Die Entscheidung, was mit dieser Sendung passiert, ist rasch gefällt. Sie wird vernichtet.

Ein rot leuchtendes Packerl mit chinesischer Schrift, die der Zoll aus dem Verkehr gezogen hat, stellt die Experten vor ein Rätsel. Sind es gefrorene Meeresfrüchte? Oder Tierzungen? In dem Fall ist das aber unerheblich. Die Temperatur stimmt nicht. Die Sendung wird vernichtet.

Im Raum daneben liegen einige Jagdtrophäen. Ein gewaltiges Hirschgeweih wird wieder zurückgeschickt. „Die Reinigung ist in einem Betrieb passiert, der nicht zugelassen ist“, erklärt Treppo. Der Besitzer wird sich ärgern. „Diese Trophäen haben einen hohen Wert“, weiß Anton Bartl, Leiter des grenztierärztlichen Dienstes. Treppo kommentiert das Gebotene trocken. „Als Tierarzt ist man abgehärtet. So schnell vergeht mir der Appetit nicht.“ Und das ist gut so. Denn beim Geruch von verfaulten Eiern aus China – eine fernöstliche Spezialität – dreht sich der europäische Magen schnell um.

Nicht nur Tierisches, auch Pflanzliches landet bei den Grenztierärzten. Etwa Tee aus Japan. „Nach Fukushima sind Sendungen aus Japan wegen möglicher Radioaktivität untersucht worden“, erklärt Bartl. Die gute Nachricht: Die Experten hatten keinen einzigen Treffer.

Bei der Suche nach Schwermetallen oder Pestiziden werden sie deutlich öfter fündig. In Räucherfisch fanden die Experten Cadmium und Listerien, in Meeresfischprodukten Quecksilber, in Okra-Schoten Pestizidrückstände.

Kurios: Auch Küchengeräte fallen in den Kontrollbereich der Grenztierärzte. Die Erklärung ist simpel. „Manche enthalten Melamin. Das hinterlässt Rückstände und ist eine Gesundheitsbedrohung“, erklärt Bartl.

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