Chronik | Niederösterreich
16.09.2017

Keine Wölfe auf den Almen

ÖVP-Landesvize Pernkopf will genau wissen, wo die Tiere sind / Warnung vor Rot-Blau im Bund.

Der Kampf gegen die tschechischen Atomkraftwerke und das Wiederauftreten des Wolfes beschäftigen ihn politisch. Der KURIER sprach darüber und andere relevante Niederösterreich-Themen mit ÖVP-Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf.

KURIER: US-Präsident Donald Trump bezweifelt den Klimawandel. Warum hat er unrecht? Stephan Pernkopf: Das ist ein absoluter Schwachsinn. Auch Donald Trump wird die Energiewende nicht aufhalten können. Gerade die Unwetter im eigenen Land sollten ihm zum Umdenken bewegen.

Aber er will aus dem Klimaschutz aussteigen.

Die USA werden das letztendlich nicht tun, weil dann wird Trumps Amtszeit vorüber sein.

Beim Thema Klimaschutz tun Sie sich nicht schwer.

Wir liegen hier sehr gut. Über 100 Prozent des Strombedarfs kommt aus erneuerbarer Energie, der Europa-Schnitt liegt bei 25 Prozent.

Niederösterreich muss trotzdem Strom importieren.

Rechnerisch haben wir bereits mehr als 100 Prozent Eigenversorgung. Aber wir müssen auch zeitweise importieren, deshalb dürfen wir nicht aufhören, für mehr erneuerbare Energie zu sorgen.

Gibt es nicht schon genug Windräder im Bundesland?

Aktuell sind es 600 Windräder. Vor zwei Jahren haben wir daher beschlossen, dass maximal nur ein Prozent der Landesfläche für Windkraft verbaut werden darf.

Wie viel geht noch?

Rund 150 Windkraftanlagen sind noch möglich. Wir setzen auch auf Leistungssteigerung an bestehenden Standorten.

Zu den Maßnahmen gehört nicht die Atomkraft. Deutschland hat einen Ausstiegsplan, Tschechien nicht. Wie will man den Nachbarn dazu bringen?

Bei den tschechischen Freunden kämpfen wir massiv gegen den Ausbau der Atomkraft. Gegen Dukovany gab es 64.000 Unterschriften aus NÖ. Gegen das tschechische Atommülllager sind es bereits über 30.000.

Aber Unterschriften werden wohl nicht reichen.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ich machen das bei all unseren Gesprächen mit Tschechiens Politikern zum Thema.

Gibt es ein Umdenken?

Teilweise. Vor einem halben Jahr haben wir es erstmals geschafft, dass sich einige tschechische Bürgermeister unserer Protestbewegung angeschlossen haben.

Ein anderes brisantes Thema ist der Wolf, der über Tschechien nach Niederösterreich eingewandert ist. Wie viele Tiere gibt es jetzt wirklich?

Biologen sagen zwei Erwachsene und neun Jungtiere haben sich am Truppenübungsplatz in Allentsteig niedergelassen.

Die Jäger sprechen von anderen Zahlen. Wer kommt jetzt für den Wolfsschaden auf?

Wir werden hier die Bauern nicht im Stich lassen. Es ist ganz klar, dass das Land Niederösterreich mit der Landwirtschaftskammer die Entschädigung für gerissene Tiere übernehmen wird.

Wie wollen Sie mit der Wolfspopulation umgehen?

Wir werden die Tiere besendern, das ist ausgemacht. Wir müssen wissen, wo sich die Wölfe befinden.

Warum wollen Sie ihn auf Schritt und Tritt überwachen?

Mein Ziel ist es nicht, den Wolf im ganzen Land sesshaft zu haben. Ich gehe davon aus, dass sich darüber alle Parteien einig sind.

Gehört der Wolf also nur in den Tierpark?

Rein rechtlich habe ich hier keine Handhabe. Wir schauen uns aber gerade an, wie andere Länder mit diesem Problem umgehen, Bayern überlegt etwa wolffreie Zonen zu schaffen.

Und in Allentsteig?

Wenn das Bundesheer dort mit dem Wolf leben will, dann soll mir das recht sein.

Was geht für Sie gar nicht?

Ich will den Wolf nicht in der klassischen Kulturlandschaft haben. Es wird immer schwieriger, Bauern zu finden, die ihre Tiere auf die Alm auftreiben. Da will ich nicht noch das Risiko eingehen, dass Tiere gerissen werden.

Wölfe auf der Alm?

Das will ich nicht, wir sehen aus anderen Bundesländern, dass die Herdenschutzmaßnahmen nicht wirklich greifen. Und ich kann nicht alles einzäunen. Es gibt auch Bericht, dass die Herdenschutzhunde für den Menschen gefährlich sind. Das brauchen wir nicht.

Und wenn der Wolf doch auf der Alm auftaucht?

Da muss man erst die europäischen Rahmenbedingungen schaffen, um ihn dort zu entnehmen, wo man ihn nicht haben will.

Zur Landespolitik. Der neue SPÖ-Chef Franz Schnabl rückt in die Landesregierung als Nummer zwei des SPÖ-Teams ein. Hat es Sie überrascht, dass er nicht als Nummer eins kommt?

Das habe ich nicht zu kommentieren. Ich hatte mit seinem Vorgänger, Landesrat Androsch, eine gute Zusammenarbeit. Ich hoffe, dass es durch diesen Personalwechsel nicht zu einer Verschlechterung kommt.

Bei der Wahl zum Landesrat braucht Schnabl nicht die Unterstützung der ÖVP, als Landeshauptfrau-Stellvertreter schon. Hätte ihn die ÖVP nicht gewählt?

Das ist eine rein SPÖ-interne Entscheidung.

Schnabl hat zuletzt die Aufwertung des ländlichen Raums gefordert. Wird dies das große Landtagswahlkampfthema zwischen ÖVP und SPÖ?

Wenn ich mir die Aussagen von Bundeskanzler Kern über die Bauern anschaue, die er als Subventionsempfänger beschimpft, sind die SPÖ-Politiker die letzten, die die Bauern vertreten können.

Die SPÖ will die Abschaffung des Pflegeregresses über eine Erbschaftssteuer finanzieren. Warum regt das gerade Bauernpolitiker so auf?

Es wird immer von einer Grenze ab einer Million Euro gesprochen. Da wären kleinere Bauernbetriebe mit einem Hof, einem Traktor und zehn Hektar betroffen. Das hat nichts mit Reichtum zu tun, sondern das braucht man für die tägliche Produktion. Wir lassen uns doch nicht den Acker und Traktor wegbesteuern. Auch kleine Gewerbebetriebe würde das schnell treffen.

Wer Erbschaftssteuer fordert, ist kein Koalitionspartner?

Das habe nicht ich zu entscheiden.

Wer bildet dann die Koalition?

Ich warne da vor Rot-Blau. Die SPÖ wird alles tun, um die Macht zu erhalten, auch wenn die ÖVP als Erster durchs Ziel geht.

Sie sagen, jedes Kind soll ein Mal auf einem Bauernhof gewesen sein. Warum eigentlich?

Wir wollen mehr Verlässlichkeit und Treue zu den österreichischen Produkten erreichen. Ein Weg dorthin ist, dass sich jedes Kind zumindest ein Mal einen halben Tag auf einem Bauernhof aufhält.