Eiszeit im Bezirk Krems.

© KURIER/Jürgen Zahrl

Eiszeit
12/03/2014

Katastrophenalarm in Niederösterreich

Dutzende Häuser im Waldviertel ohne Strom - die Hohe Wand wurde behördlich gesperrt.

von Jürgen Zahrl, Patrick Wammerl, Gilbert Weisbier

Die Stromversorgung unserer Ortschaft kann momentan nur über ein Notstromaggregat aufrecht erhalten werden. Es wird daher ersucht, den Verbrauch auf das Notwendigste einzuschränken." Das steht auf jenem Flugblatt, das Feuerwehrkommandant Leopold Waglechner am Dienstag in Grainbrunn im Bezirk Zwettl verteilt hat. Seit Montag herrscht wegen der dicken Eisschicht Ausnahmezustand in der 160 Einwohner zählenden Ortschaft im Norden Niederösterreichs. Der Alltag funktioniert derzeit nur auf "Sparflamme". Um Strom zu sparen, wurde die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Mitarbeiter der Telekom müssen regelmäßig die Akkus des Handy-Senders tauschen, damit die Bewohner problemlos telefonieren können.

Dramatisch gestaltet sich die Situation im Waldviertel, das seit dem Wochenende wegen gefrierenden Regens und Nebel unter einem "Eispanzer" begraben liegt. Nach wie vor kämpfen Dutzende Feuerwehrleute, Straßenarbeiter und EVN-Techniker, um die Lage in den Griff zu bekommen. Denn die dicke Eisschicht lässt immer mehr Bäume auf Straßen und Stromleitungen stürzen. Mehr als 50 Straßenabschnitte mussten gesperrt werden. Zahlreiche Häuser sind in den Bezirken Krems und Zwettl – zeitweise – ohne Strom. Am Dienstag wurden Teile des Bezirkes Krems und der gesamte Bezirk Zwettl zum Katastrophengebiet erklärt. Am Mittwoch wurde schließlich auch für den Bezirk Horn der Katastrophenalarm ausgelöst.

Schulen geschlossen

"Am Montag mussten wir 14 Stunden ohne Strom auskommen. Weil vieles nur noch über das Internet funktioniert, konnten wir keine Bestellungen abgeben", erzählen Michaela und Martin Klamert, die in Grainbrunn ein Elektrogeschäft betreiben. Da sie selber ein Notstromaggregat besitzen, waren zumindest die Beleuchtung und die Heizung in Betrieb. Im benachbarten Wirtshaus kann Gerhard Pritz auch von Glück reden, dass er noch einen alten Holzofen besitzt. So konnte er bei Kerzenlicht aufkochen.

Auch in den nächsten Tagen sind die Bewohner in Grainbrunn aufgefordert, speziell zu Mittag nur den E-Herd zu nutzen, und die Waschmaschine sowie den Geschirrspüler erst am Abend einzuschalten. Kommandant Waglechner rechnet damit, dass der Ort noch weitere Tage nur mit Notstrom versorgt werden kann.

Im südlichen Waldviertel sind immer noch 20 Schulen geschlossen, weil die Straßen nur unter Lebensgefahr befahren werden können. Auswirkungen gibt es auch auf die Heimkrankenpflege: Das nö. Hilfswerk kann derzeit bis zu 125 Personen nicht versorgen, weil deren Häuser nicht erreichbar sind. "Wir informieren sie per Telefon, dass es zu Verzögerungen kommt und nehmen Kontakt mit Angehörigen auf", erklärt Tanja Wallner vom Hilfswerk.

Sperre

Dramatische Szenen spielen sich seit Montagabend auch auf der Hohen Wand ab. Die Zufahrt auf den Berg musste behördlich gesperrt werden. "Es besteht Lebensgefahr. Unter der Eislast werden laufend Bäume entwurzelt. Felsbrocken donnern auf die Straße", erklärt der Bürgermeister von Stollhof, Josef Laferl. Montagabend wurde begonnen, Wohn- und Gasthäuser auf dem Hochplateau zu evakuieren. "Plötzlich ist die Feuerwehr vor dem Haus gestanden. Ich habe alles notwendige zusammengepackt. Dann haben wir fast zwei Stunden ins Tal gebraucht, weil ständig ein Baum den Weg blockiert hat", schildert Edith Kujal. Die 73-Jährige hofft, dass ihr Haus die Eiszeit unbeschadet übersteht.

Auch in Oberösterreich ist die Lage angespannt: In Liebenau im Mühlviertel bleiben Schulen und Kindergärten voraussichtlich bis Ende der Woche geschlossen.

600 steirische Haushalte ohne Strom

In der Steiermark hat es in der Nacht auf Mittwoch erneut mehrere Feuerwehreinsätze wegen Eisbruchs gegeben. Umgefallene Bäume blockierten Straßen und mussten beseitigt werden. In der West- und Oststeiermark waren rund 600 Haushalte ohne Strom, so Energie Steiermark-Sprecher Urs Harnik-Lauris.

Die nächtlichen Einsätze der Feuerwehr waren etwa im Koralmgebiet und in St. Pankrazen in der Gemeinde Gschnaidt (Bezirk Graz-Umgebung), auch tagsüber würden immer wieder Alarmierungen hereinkommen. "Mit einer Entspannung ist erst am Freitag zu rechnen", vermutete Feuerwehr-Sprecher Thomas Meier. An der Behebung der Stromausfälle im Gebiet um Deutschlandsberg und im Großraum Weiz wurde am Mittwoch gearbeitet, bis zum Abend sollten wieder alle versorgt sein, so Harnik-Lauris.

Ende von Eisregen und Raureif in Sicht

Mit einer langsamen Entspannung der Lage werde ist erst am Donnerstag und Freitag zu rechnen, prognostizierte die ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) am Mittwoch.

"Zwischen etwa 600 und 1.300 Meter Höhe liegt immer noch eine Luftschicht mit Temperaturen unter Null Grad", erklärte Stefan Kiesenhofer von der ZAMG. "In höheren Luftschichten fließt dagegen konstant milde Luft aus dem Mittelmeerraum nach Österreich und bringt zwischen rund 1.300 und 2.000 Meter leichte Plusgrade. Somit fallen Regentropfen aus höheren Schichten in die Kaltluft und frieren dort zum Beispiel an Bäumen und Straßen."

Am Donnerstag fließt dann im Laufe des Nachmittags in allen Höhenlagen mildere Luft nach Österreich und es beginnt zu tauen. De Experte mahnt angesichts des schmelzenden Eises allerdings zur Vorsicht. Bei Windböen um 40 Kilometer pro Stunde können weiterhin vereiste Äste brechen.

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Bilder aus dem Waldviertel:

EVN zu Stromausfällen: Probleme regional lösbar

Seit Tagen versuchen Mitarbeiter der EVN, das zerrissene Stromnetz im Waldviertel zu flicken. EVN-Sprecher Stefan Zach beschreibt die Situation.

KURIER: Wie viele Haushalte sind derzeit ohne Strom?

Zach: Derzeit rund 2000. Montagabend waren wir schon auf drei- bis vierhundert herunten, aber Dienstag wurden es wieder mehr.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Hauptsächlich in den kleinen Orten und Streusiedlungen in waldreichen Regionen. Die Leitungen dort führen mitten durch den Wald. Derzeit ist es riskant, Leute hineinzuschicken, weil ständig Bäume brechen.

Wie lösen sie das Problem?

Wir reparieren ständig Leitungen und kaputte Masten. In Zusammenarbeit mit den Feuerwehren haben wir Notstromaggregate aus allen Landesteilen im Einsatz, um Orte zu versorgen, deren Leitungen noch unterbrochen sind. Aber das ist keine Dauerlösung. Wir hoffen auf Wetterbesserung.

Besteht Gefahr, dass die betroffene Fläche größer wird?

Es handelt sich um ein eingrenzbares und auf regionaler Ebene beherrschbares Problem. Die Netzstabilität insgesamt ist nicht betroffen.

Keine Blackout-Gefahr?

Für NÖ besteht sicher keine unmittelbare Gefahr.

Tödlicher Verkehrsunfall auf S33

Ein 40-jähriger Pkw-Lenker ist am Montagabend auf der S33 im Bezirk St. Pölten tödlich verunglückt. Wie die Polizei Niederösterreich mitteilte, kam der Mann mit seinem Pkw gegen 20.50 Uhr im Gemeindegebiet von Pottenbrunn in Fahrtrichtung St. Pölten aus bisher ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab und fuhr über die Böschung. Für den Unglückslenker kam jede Hilfe zu spät.

Nachdem das Fahrzeug über die Böschung gerutscht war, stieß es zunächst gegen einen installierten Wildschutzzaun und fuhr anschließend am Fuß der Böschung noch rund 300 Meter weiter. Dann stieß das Kfz ein zweites Mal gegen den Wildschutzzaun, ehe es neben diesem zum Stillstand kam.

Beamte der Autobahnpolizeiinspektion Krems bargen danach gemeinsam mit Bediensteten der Landespolizeidirektion Niederösterreich den sich nicht mehr bei Bewusstsein und ohne Vitalfunktionen befindlichen 40-Jährigen aus dem Fahrzeug und begannen mit Wiederbelegungsmaßnahmen. Diese wurden in der Folge von Sanitätern des Roten Kreuzes und dem Notarzt fortgesetzt, blieben jedoch erfolglos.

Drei Pkw zusammengestoßen

Vermutlich ebenfalls aufgrund von Glatteisbildung sind Dienstag früh drei Pkw auf der Bundesstraße 5 im Gemeindegebiet von Waidhofen a.d. Thaya auf einer Brücke auf Höhe der Kläranlage zusammengestoßen. Nach Angaben des Bezirksfeuerwehrkommandos gab es mehrere Verletzte, zwei Personen wurden in ihren Fahrzeugen eingeklemmt (s. Bild unten).

Sie mussten mithilfe von hydraulischen Rettungsgeräten befreit werden. Die Verunfallten wurden in die Landeskliniken Horn und Waidhofen a.d. Thaya gebracht.

Unfälle in Obersteiermark

Bereits am Montag wurden drei Personen bei einem Autounfall in der Obersteiermark teils schwer verletzt worden. Ein 74-jähriger Pkw-Lenker geriet in Frojach-Katsch (Bezirk Murau) auf die Gegenfahrbahn und streifte ein Auto, bevor er in ein zweites krachte. Eine Lenkerin des zweiten Wagens wurde schwer, der Pensionist und seine 71-jährige Beifahrerin ebenfalls verletzt, so die Polizei am Dienstag.

Der Pensionist war am frühen Abend mit seinem Auto auf der Murtal Straße (B96) von Teufenbach in Richtung Frojach unterwegs. Aus noch unbekannter Ursache geriet er auf die falsche Fahrbahn, wo er zunächst den Pkw einer entgegenkommenden 23-Jährigen streifte. Anschließend stieß er frontal mit dem weiteren Pkw, der von einer 22-jährigen Frau gelenkt wurde, zusammen. Ihr Fahrzeug wurde in den Straßengraben geschleudert, wobei die junge Frau schwer verletzt wurde. Der Pensionist und seine 71-jährige Beifahrerin wurden in das Landeskrankenhaus Stolzalpe und das LKH Friesach gebracht.

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